«Wir haben die Vorteile von BIM erkannt»

«Wir haben die Vorteile von BIM erkannt»

Joanna Demkow-Bartlomé | 18. März 2019 | Digitalisierung

Christoph Kellenberger ist Mitbegründer und Managing Partner von OOS, einem in Zürich ansässigen Architekturbüro, das auf Unternehmensarchitektur, Innenarchitektur und Stadtplanung spezialisiert ist. Im Interview erzählt er, wie er dank eines fehlenden Druckers «Building Information Modelling» (BIM) in seinem Büro einführte, welches Einsparungspotential in intelligent gestalteten Gebäuden liegt und wie das Bauen der Zukunft aussieht.




Sie sind einer der ersten Schweizer Anwender von BIM. Wie, wann und warum haben Sie damit angefangen?
Das erste Mal haben wir BIM vor zehn Jahren bei einem Projekt in Brasilien eingesetzt. Ein Schweizer Filmproduzent wünschte sich ein Haus im subtropischen Atlantikwald. Allerdings gab es in dem kleinen Dorf nur einen einzigen Baumeister. Also haben wir ihn gefragt, welche Materialien er verwenden kann und welche Bauweise er anwenden kann. Er erklärte alles mündlich – auf Portugiesisch!

Neben der Sprachbarriere trennte uns zusätzlich eine Entfernung von mehr als 9000 Kilometern. Zu allem Überfluss gab es in diesem Dorf keinen Drucker, so dass der Baumeister die Pläne nicht ausdrucken konnte, die wir – wie üblich! – produzieren wollten. Aber wir wussten, dass sein Sohn auf seinem Laptop das Programm Sketchup installiert hatte. Also haben wir angefangen, ihm ein 3D-Modell mit integrierten Informationen zu schicken.

Der Sohn sass dann mit seinem Laptop neben seinem Vater auf der Baustelle im Dschungel und dieser baute direkt aus dem 3D-Modell. Diese Methode ist ein gutes Beispiel für einen «Design to Production»-Prozess. Das war ein Schlüsselerlebnis für uns. Wir haben die Vorteile des Einsatzes von BIM erkannt und seitdem viel Zeit und Weiterbildung in unser Team investiert.



Bereits vor knapp zehn Jahren bauten die Arbeiter ein Ferienhaus im brasilianischen Urwald nach BIM-Vorgaben. Dazu reicherten die Architekten von OOS Sketchup-Zeichnungen mit Metainformationen an. Fotos: OOS AG



Treffen Sie in der Schweiz häufig auf Bauherren, die BIM fordern?
Immer mehr. Vor allem Firmenkunden. BIM hilft ihnen, mit den Daten im Facility Management besser umzugehen und den Überblick über das Immobilienportfolio zu behalten. OOS war an der Entwicklung des Dokuments SIA 2051 «Grundlagen für den Einsatz der BIM-Methode» beteiligt. Damit steht nun eine wegweisende, allgemein verständliche Anwendung für die Planung im digitalen Zeitalter zur Verfügung – auch für Bauherren.

Wie wenden Sie BIM in Ihrem Büro an?
Für uns ist BIM eine Methode und ein Prozess der Informationsverwaltung. Vor der Verwendung von BIM waren die projektbezogenen Informationen über verschiedene Dateien verteilt, vieles davon ging im Laufe der Zeit verloren. Jetzt verwalten wir Informationen wie Visualisierungen, Mengenlisten, Materiallisten usw. an einem einzigen Ort, nämlich dem Modell und einer damit verbundenen Datenbank.

Fachingenieure wählen wir sorgfältig aus und arbeiten mit denen zusammen, die ebenfalls mit BIM arbeiten. So schaffen wir gemeinsam einen Mehrwert für unsere Kunden in Bezug auf Kosten- und Zeitsicherheit, mehr Transparenz und bessere Entscheidungsprozesse.

«Wir entwerfen Gebäude mit geringem oder gar keinem Energieverbrauch.»



Wie innovativ ist Ihr Geschäftsmodell?
Unser Geschäftsmodell ist eher konventionell, wir erbringen eine Dienstleistung. Die Art und Weise, wie wir diese Dienstleistung liefern, ist hingegen sehr innovativ. Wir sind in diesem Sinne eher strategische Architekten, nicht nur kreative Köpfe.

Die Bauwirtschaft befindet sich im Wandel. Wo sehen Sie den grössten Optimierungsbedarf?
Viele Architekten und Ingenieure in der Schweiz haben noch nicht erkannt, dass wir uns in einer Zeit des schnellen Wandels befinden.

Ein wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit – Immobilien machen 50 Prozent des Energieverbrauchs in der Schweiz aus. Wir bei OOS entwerfen Gebäude, die einen niedrigen oder gar keinen Energieverbrauch, niedrige oder gar keine CO2-Emissionen und damit auch niedrige Betriebskosten über den gesamten Lebenszyklus aufweisen. Mit einer Investition von 0,9 erreichen unsere Gebäude Betriebskosten von 2 bis 3 (Energie, Reinigung, Erneuerung technischer Anlagen usw.). Im Gegensatz dazu verursachen mit Investitionskosten von 1 «normale» Gebäude Betriebskosten von 4 bis 6. Die Energie- und Kosteneinsparungen über den Lebenszyklus von Gebäuden sind beträchtlich, und der Nutzen für unsere Umwelt ist enorm!

Können Sie bitte präzisieren, wie Sie diese Werte erreichen?
Wir arbeiten nach der Regel «zuerst No-Tech, dann Smart-Tech». Wahrscheinlich sind 80 Prozent der weltweiten Bauten technisch nicht besonders anspruchsvoll. In vielen Regionen der Welt existieren sehr clevere, lokale Bauweisen, die für das dortige Klima optimal geeignet sind. Hingegen gibt es besonders in den Städten Gebäude, die zwar schön aussehen, aber absolut unpraktisch sind. Sie überhitzen im Sommer, sind im Winter unangenehm kalt, haben zu viel Verglasung und keine angemessene Landschaftsgestaltung. Gebäude sollten von vornherein clever geplant und durch den Einsatz von Technologien, die einen echten Mehrwert schaffen, intelligent verbessert werden.

Den Firmensitz der Sonova Phonak Communications planten OOS Architekten nach dem Konzept Low-Tech /Smart-Tech. Die positiven Effekte des Plus-Energiegebäudes sollen sich in den Erstellungs- und Betriebskosten niederschlagen. Visualisierung: Bitscapes, Shanghai


Wie wird der Bau im Jahr 2030 aussehen? In welchen Bereichen sehen Sie Verbesserungsmöglichkeiten für die Branche? Ich denke, die Planungs- und Designindustrie wird sich durch die Digitalisierung stark verändern. Es wird mehr Transparenz geben. Innovatoren werden Trends bei der Gestaltung und den dafür notwendigen Prozessen setzen. Ich hoffe, wir sind einer von ihnen.

Vielen Dank für das Gespräch!



Das Gespräch ist ein Auszug aus Joanna Demkow-Bartlomés «Kvalho Talks», in denen sie führende Experten, Innovatoren und Unternehmer der Bau- und Immobilienbranche interviewt.

Das vollständige Gespräch kann unter www.kvalhotalks.com abgerufen werden.


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