«Wärmepumpen schaffen Mehrwerte»

«Wärmepumpen schaffen Mehrwerte»

Katharina Weber | 13. September 2019 | Fachwissen

Alles aus einer Hand – die Grünenwald AG plant, installiert und wartet Wärmepumpen verschiedenster Art. Das Unternehmen, das die beiden Brüder Harry und Rolf im Jahr 1989 in Otelfingen gründeten, ist heute zu einem der Schweizer Marktführer im Bereich Wärmepumpen, Solaranlage und Minergie avanciert. Aktuell betreut die Grünenwald AG circa 10 000 Privat- und Geschäftskunden in der gesamten Schweiz.

Harry Grünenwald












Harry Grünenwald, Geschäftsinhaber der Grünenwald AG in Otelfingen, hat sich seit 1989 von Grund auf in die Wärmepumpentechnik eingearbeitet.


Laut Ihrer Website spart eine Wärmepumpe im Vergleich zu fossilen Heizsystemen mit Öl oder Gas nicht nur CO2, sondern auch Kosten ein. Weshalb sind noch nicht alle Gebäude in der Schweiz mit Wärmepumpen ausgestattet?
Einerseits ist es eine Frage der Investition. Eine Wärmepumpe ist in der Anschaffung etwas teurer als beispielsweise ein Ölkessel. Andererseits haben wir natürlich Mitbewerber, die sagen, wie gut eine Öl- oder eine Gasheizung sei, und die auch noch ein paar Geräte verkaufen wollen.

Viele Bauherren und Installateure sind etwas kurzsichtig und sehen nur die aktuellen Kosten. Sie realisieren nicht, dass sich die Investition in eine Wärmepumpe in einem Einfamilienhaus in sieben bis neun Jahren amortisiert hat. Bei Mehrfamilienhäusern denken Bauherren oftmals: «Niedrige Nebenkosten sind mir nicht so wichtig, die zahlen meine Mieter.» Aber diese Überlegung ist falsch. Der Mieter kalkuliert mit einer Gesamtsumme, Miete plus Nebenkosten. Wenn die Miete 2000 Franken kostet und die Nebenkosten 300 Franken ausmachen, kostet ihn die Wohnung insgesamt 2300 Franken. Rüstet man aber heute ein Objekt auf eine Wärmepumpe um, betragen die Nebenkosten nicht mehr 300, sondern nur noch 80 Franken.

«Eine Erdsondenanlage ist langfristig
die günstigste Lösung.»



Ich empfehle den Investoren, eine All-Inclusive-Miete aufzustellen, also eine Marktmiete inklusive Nebenkosten. Somit kann der Investor einerseits die Mehrinvestition für eine Wärmepumpe amortisieren, andererseits schafft er mit der Wärmepumpe einen Mehrwert. Denn kann der Investor eine höhere Gesamtmiete verrechnen, hat er einen höheren Mietertrag, also eine höhere Bruttorendite. Kurz gesagt: Die Installation einer Wärmepumpe schafft einen Mehrwert, da weniger Nebenkosten anfallen.



Können Sie diese Aussage anhand eines Beispiels verdeutlichen?
Bei einem Einfamilienhaus verursacht eine Ölheizung jährliche Nebenkosten von circa 2700 Franken, mit einer Wärmepumpe sinken die Kosten auf vielleicht 700 Franken. Das heisst, 2000 Franken werden eingespart. Wird dieser Betrag mit 5 Prozent kapitalisiert, erhält das Haus, das 2000 geringere Nebenkosten verursacht, einen um 40 000 Franken höheren Marktwert. Diese Zusammenhänge sind leider noch zu wenig bekannt.



Die Sole-Wasser-Wärmepumpe Greenheat bezieht ihre Wärme über Erdsonden aus dem Erdreich. In den Sonden zirkuliert die frostsichere Sole, welche die Wärme aus der Erde an die Wärmepumpe abgibt.


Spielen CO2-Einsparungen bei der Entscheidung für eine Wärmepumpe gar keine Rolle?
Ich bin jetzt ein bisschen provokativ. Meine Kunden, denen die CO2-Bilanz wirklich am Herzen liegt, haben schon vor zwanzig Jahren auf Wärmepumpen umgesattelt. Heute ist das Hauptargument für eine Wärmepumpe die Wirtschaftlichkeit. Die gute CO2-Bilanz ist natürlich ein zusätzlich positiver Effekt.



Die Grünenwald AG bietet verschiedene Arten von Wärmepumpen an. Wovon hängt es ab, welche Wärmepumpe am besten geeignet ist?
Für Wasser-Wasser-Anlagen bedarf es zwecks Grundwasserschutzes spezieller Bewilligungen, die nicht überall erteilt werden. Auch bei Erdsonden gibt es Gebiete, wo aufgrund des Grundwasserschutzes nicht gebohrt werden darf. In so einem Fall werden stattdessen Luft-Wasser-Wärmepumpen installiert.

Der Anteil der Luft-Wasser-Wärmepumpen in der Schweiz übersteigt den Anteil der Erdsondenanlagen bei Weitem. Grund dafür ist die relativ günstige Investition. Allerdings ist die Erdsondenanlage, obwohl sie primär 15 000 Franken teurer ist, am Schluss etwa 150 Franken im Jahr günstiger als die Luft-Wasser-Wärmepumpe. Daher empfehlen wir bei Grünenwald – immer wenn möglich – eine Erdsondenanlage. Sie verbraucht sehr wenig Energie und ist die langfristig günstigste Lösung. Zudem ist sie leiser und kann auch noch zum kostenlosen Kühlen des Hauses eingesetzt werden (Freecooling).



Bei der Luft-Wasser-Wärmepumpe wird die Aussenluft als Energiequelle genutzt.


Welche Anlage ist die effizienteste?
Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe verbraucht 30 bis 35 Prozent weniger Strom als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Aber man muss bei Systemvergleichen aufpassen. Oftmals werden unzulässigerweise verschiedene Werte miteinander verglichen. Bei den Wirkungsgraden spricht man einerseits vom «coefficient of performance» (COP) und andererseits vom «seasonal coefficient of performance» (SCOP). Hinter diesen Begriffen stehen komplett unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Wenn man den COP einer Sole-Wasser-Wärmepumpe mit dem SCOP einer Luft-Wasser-Wärmepumpe vergleicht, werden Äpfel mit Birnen verglichen. Der COP und der SCOP sind nicht vergleichbar. Ärgerlicherweise passiert dies aber immer wieder.



Inwiefern investieren Sie in die Weiterentwicklung Ihrer Produkte?
Die Geräte entwickeln wir kontinuierlich weiter. Vor drei Jahren haben wir alle Geräte auf Internetanbindung umgestellt. Der Kunde kann seine Wärmepumpe selber via Smartphone, PC etc. einstellen und überwachen. Wenn der Kunde will, können wir bei Grünenwald eine Fernwartung machen. Dabei geht es nicht nur darum, irgendwelche Werte abzufragen, sondern wir können ganze Programmierungen optimieren. Das ist sehr spannend. Es werden Zeit und Kosten gespart.

Weiter haben wir vor kurzem spezielle Steuerungen im Zusammenhang mit selbst produziertem Strom (PV-Anlagen) entwickelt. So bleibt garantiert, dass die optimierten Sicherheitseinrichtungen in der Wärmepumpe nicht durch eine externe Steuerung überbrückt werden und Schäden am Gerät verursachen können.

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