Versteckt zwischen Felsspalten

Versteckt zwischen Felsspalten

21. Februar 2018 | Szene

Drohnenaufnahme Bürgenstock
Bild: Drohnenaufnahme, Bürgenstock Resort

Der Bürgenstock hat sich frisch gemacht für neuen Glanz. Das Hotelresort auf dem Bergrücken des Bürgenbergs am Vierwaldstättersee ist bereit für eine neue Blütezeit wie in den goldenen Sechzigern. Damals war das Resort die Feriendestination für Schauspieler wie Audrey Hepburn, Sophia Loren, Sean Connery und Treffpunkt für Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft.

Text: Katharina Wyss

Wettbewerbsfähige Hotelanlage
Vor gut zehn Jahren ging der gesamte Hotelkomplex auf dem Bürgenstock in das Eigentum des katarischen Staatsfonds über. Rund 550 Millionen investierte der neue Besitzer, um ein komplett neues Tourismuskonzept zu verwirklichen. Der neue Gestaltungsplan des Areals sah eine Erweiterung des Tourismusangebotes um neue Wellness- und Gesundheitsangebote vor. Die sechzig Hektar grosse Anlage wurde letzten Spätsommer eröffnet.
Von den beiden grösseren Hotelbauten aus den Anfangsjahren am westlichen und östlichen Rand des Hauptplateaus sind nur noch die Fassaden als Hülle vorhanden. Nach dem Komplettumbau bergen sie nun Suiten und Residenzen. Medizin- und Gesundheitsdienstleistungen werden in den Neubauten zwischen den historischen Häusern am Bürgenstock angeboten. Ein neues alpines Spa rundet das Angebot ab.

Im Felsen eingefügt
Abgelegen von den Hauptgebäuden, versteckt ganz am nördlichen Rand der Anlage, wurde ein Felspfad hinter der Geländekante des vom Hauptplateau stark abfallenden Terrains geschlagen.
Die neuen «Lake View Residence Villas», zehn Einzelvillen, rücken bergseitig direkt an den Rand des Felsenpfades. Wie ein Hohlweg wirkt der Pfad dadurch, von allen Seiten räumlich gefasst und nicht einsichtig. Villenbewohnern, denen dieser Zugang noch zu öffentlich ist, können die Villen von der Tiefgarage aus über einen unterirdischen Zugang erreichen, der auch eine direkte Verbindung zum Bürgenstock Spa bietet.
Die drei unterschiedlichen Typologien der Villen werden entlang des Pfades durch zwei Panorama- Aussichtsplatformen in drei Grundkubaturen rhythmisiert.
Als freistehende Villa lesbar werden die einzelnen Nutzungseinheiten durch tiefe Einschnitte der Kubaturen. Als «Felsspalten» oder «Canyons» verstanden die Architekten diese Lücken, welche einerseits als Lichtbringer für die Sonneneinstrahlung von Süden fungieren, aber auch Ausblicke zwischen Häusern zulassen.

Lake View Residence Villas Bürgenstock
Bild: Karin Rohländer, Stücheli Architekten

Ausblick ohne Einblick
Die Hauptfassaden der Gebäude sind gegen Norden ausgerichtet. Sie wenden sich dem fantastischen, unverbauten Ausblick über den Vierwaldstättersee und die Innerschweiz zu. Kein Blick von aussen stört beim Betrachten der Aussicht auf rund fünf Seen der Schweiz, sowie die beiden bekannten Bergsilhouetten vom Pilatus und der Rigi.
Im Gestaltungsplan wurden die Villen als zurückhaltende Baukörper definiert, deren Fassadenoberfläche aus Naturstein sich mit einer dunklen Farbe gegenüber den hellen historischen Bauteilen des Hotelkomplexes zurücknehmen. Die als grosse Felsbrocken lesbaren Villengruppen verzahnen sich optisch mit der Struktur des brüchigen Felsen des Berges. Sie sind von Weitem erst auf den zweiten Blick durch ihre klare geometrische Definition als künstliche Erweiterung des steinernen Sockels des Hauptplateaus erkennbar.

Situationsplan Lake View Residence Villas Bürgenstock
Plan: Stücheli Architekten


Hanglage
Orientiert sich die Höhe der Baukörper entlang des Pfades noch an der Tiefe des Hohlwegs, so setzt sich die Basis der Gebäude ganze drei Geschosse weiter unten auf den Hang auf. Indirektes Licht kommt über den Lichthof der grosszügigen Treppenanlage vom Dach aus in die Gebäudeteile, deren Rücken gegen den Hang lehnt. Rund 500 bis 800 Quadratmeter Gesamtnutzfläche bieten die einzelnen Villen auf den rund fünf Geschossen der Wohntürme an.
Als «Core and Shell»-Konstruktion sind die Villen konzipiert, um einen individuellen Ausbau der Innenräume zu ermöglichen. Höchste Flexibilität in der Gestaltung der Grundrisse schafften die Architekten durch einen innen aussteifenden Kern aus Liftschacht und Treppenanlage und statisch wirksamen Aussenwänden.
Innovativ und platzsparend ist die Fassadenkonstruktion aus aufgeklebten Natursteinplatten. Ausschlaggebend für die Wahl des Natursteins war die Festigkeit und Oberflächenstruktur des Steins, um eine optimale Haftung des Klebers auf dem Stein zu erhalten. Die knapp 15 Millimeter dicken Fassadenplatten aus Kohlplatter Muschelkalk sind mit betont vertikalen «Lagerfugen» verlegt worden, um nicht das Bild einer vermeintlichen, tektonischen Fügung des Natursteins zu erwecken.

Privatheit mit Service
Die exklusive Lage der Villen, ihre Abgeschiedenheit und Privatheit ergänzt das Angebot der Residence Suiten der Hauptgebäude. Jede Villa verfügt über einen separaten Zugang für Bedienstete, um auch am Rückzugsort den vollen Komfort des Resorts geniessen zu können. Selbst wem das Spa zu voll für das individuelle Ruhebedürfnis ist, kann in den Lake View Residences endlich im privaten Innenpool mit Blick auf das Alpenpanorama entspannen.


Standort: Bürgenstock Resort, Obbürgen
Bauherr des Ressorts: Katara Hospitality Switzerland AG, Bruno Schöpfer
Architektur: Stücheli Architekten, Zürich; Verantwortlicher Architekt: Christof Claus; Projektleiter: Torsten Wieders
Realisierung: 2014- 2016; 2015- 2017
Leuchten: O. Küttel AG
Fassaden: B&L Fassadenbau AG

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