Umbau Mehrfamilienhaus in Basel

Umbau Mehrfamilienhaus in Basel

Sibylle Hahner | 1. März 2019 | Szene

Die Basler Architekten Beer Merz haben ein kleines historisches Mehrfamilienhaus in ein wahres Bijou verwandelt. Der Umbau an der verkehrsberuhigten Holbeinstrasse im historisch gewachsenen Quartier «Am Ring» ist ein gutes Beispiel, wie man alte, aber noch nicht denkmalgeschützte Bausubstanz in die Planung integrieren kann, ohne auf einen zeitgemässen Umgang mit Raum und Material zu verzichten.

Umbau in der Holbeinstrasse, Basel, Foto: Marc Niedermann

Das Architektenpaar David Merz und Anja Beer hat das Vorgefundene für ihre Bedürfnisse als junge Familie ausgerichtet und den oberen Teil des Hauses für eine Mietwohnung im Dachbereich erweitert. In getrennter Eigentümerschaft ist das im Jahr 1898 gebaute Haus nun in zwei grosszügigen Maisonetten geteilt.

Bei der Bestandsaufnahme des Originalbaus kamen in allen Zimmern Parkettböden aus Eiche zum Vorschein, die durch schwere Teppiche jahrzehntelang verdeckt wurden. Die Böden sind in Kassettenform intarsienhaft verlegt, veredelt mit Kirsch- und Nussbaumholz.

Dreh- und Angelpunkt für das Umbaukonzept von Beer Merz Architekten war deswegen die hofseitige Ergänzung des Hauses aus dem Jahr 1946. Das zusätzliche Zimmer und die darüber liegende Terrasse beinhalten nach dem Umbau weit mehr als den erweiterten Ausblick auf den alten Baumbestand. Die Architekten entschieden, das hofseitige Zimmer und dessen Anbau zu einer grossen Wohnküche zu transformieren und den Platz der ursprünglichen Küche für eine schmale, einläufige Treppe ins Obergeschoss, sowie für eine Garderobe und Gästebad zu nutzen.

Neue Materialien
Neuer Raum sollte zugleich auch neues Material bedeuten: Béton Brut, geformt zu einer konischen Stütze mit Unterzug, öffnet die beiden Räume zu einer langen Flucht, die durch ein neues grosses Fenster im hofseitigen Anbau nochmals verlängert wird. Die seitliche Küchenzeile betont die neue Länge des Raums von 9.65 Metern.

David Merz schätzt die Rauheit von Beton, weswegen die Arbeitsplatte in der Küche daraus gegossen ist. Die Gestaltung der Unterschränke der Küchenzeile lösten Beer Merz durch eine Aneinanderreihung von breiten Holzschubladen und Regalflächen, die abstrakt und modellhaft wirken.

Ihr wurde eine grosse anthrazitfarbene Wandfläche gegenübergesetzt, mit einem eingebautem Kühlschrank und Backofen, die mit Wandtafelfarbe behandelt wurde. Sie kann auch als magnetische Fläche genutzt werden.

Um die Zonen des Umbaus klar abzugrenzen, fasst ein geschliffener, schlichter Zementunterlagsboden die räumliche Neuordnung. Sämtliche neuen Holzoberflächen wirken durch die olivgrüne Lasur und den silbrigen Glimmerzuschlag in ihrer Materialität entfremdet.

   
Platzsparende Eingriffe
Das Badezimmer ist mit seinen knapp sechs Quadratmetern ist nicht sehr gross bemessen, die Qualität des Raums wird aber durch sein grosses Fenster zum idyllischen Hof bestimmt. Die grauen Brillantfliesen des Badezimmers von «Golem» schimmern im Licht durch ihre rissige Craquelé-Glasur perlmuttfarben. Aus Platzgründen gibt es keine klassische Badewanne sondern eine selbst entworfene und in Beton gegossene quadratische halbhohe Wanne, die gleichermassen als Dusche wie auch als Badewanne verwendet werden kann.

Auch im diesem Geschoss blieb die grosszügige Zimmerstruktur bewusst erhalten. Wie im unteren Geschoss wurde die ehemalige Küche transformiert, zugunsten des schmalen Treppenaufgangs mit seitlichen Arbeits- oder Ablageflächen aus Tannenholz und gegenüberliegenden Schrankwänden.

Die Krone des Hauses
Ähnlich komfortabel geht es in der neuen Dachgeschosswohnung weiter: Dafür wurde ein grosszügiger Wohn-, Koch- und Ess- bereich mit zwei Sanitärkernen entworfen. Eine innere Wendeltreppe verbindet die beiden oberen Geschosse.

In der Ansicht wurde das neue Fassadenbild strassenseitig mit drei leicht geneigten Schleppgauben ergänzt, die den bestehenden Fensterachsen folgen. Auf der Gartenseite staffeln sich nun mehrere Terrassen übereinander. Ein Freisitz im Attikabereich wurde für die obere Wohnung zurückgesetzt hinzugefügt. Als krönender Abschluss kann die gemeinsame Dachterrasse gelten, die von einen konstruktiv bedingten Überzug im Dachbereich getragen wird.Der Blick von der Dachterrasse reicht bis zu den hügeligen Erhebungen rund um Basel. Richtung Süden zeichnet sich die neue Skyline von Basel ab, mit dem Meret-Oppenheim-Turm von Herzog & de Meuron, der Baustelle des Baloise-Turms von Miller & Maranta und dem Markthallen-Hochhauses von Diener & Diener. Der sonst allgegenwärtige Roche-Turm bleibt hingegen verborgen.

Der Umbau ermöglichte es, die Schätze des Altbaus zu erhalten und dem Haus neue Qualitäten zu entlocken.

StandortHolbeinstrasse 15, CH-4051 Basel
ArchitekturBeer Merz Architekten BSA
Planung, Realisierung2015 – 2016
Gebäudevolumen950 m3
BausummeCHF 1.45 mio
HolzbauHürzeler Holzbau, Magden
SichtbetonarbeitenBauunternehmung Knecht, Münchenstein


Der Artikel erschien erstmalig unter dem Titel «Ein Herz und eine Krone» im Magazin der Schweizer Baudokumentation, Ausgabe 2/19.

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