Überbauung Vulcano: Trio auf Sockel

Überbauung Vulcano: Trio auf Sockel

Manuel Pestalozzi | 5. März 2019 | Szene

Vulcan hiess einst eine Autofabrik beim Bahnhof Zürich-Altstetten. Heute erhebt sich an ihrer Stelle über einem Sockel mit Gewerbe- und Hotelnutzung ein Trio identischer, schlanker Wohntürme. Die Überbauung Vulcano, geplant vom französischen Stararchitekten Dominique Perrault, bietet 296 Wohnungen, davon 72 möblierte Business-Apartments, sowie ein Hotel mit 319 Hotelzimmer und einem Wellnessbereich. Sie ermöglichen einen urbanen Lebensstil an einem ausgezeichnet erschlossenen Standort mit Trendpotenzial.

296 Wohnungen, davon 72 möblierte Business-Apartments, sowie ein Hotel mit 319 Hotelzimmer und Wellnessbereich bietet die Überbauung Vulcano in Zürich Altstetten. Foto: Steiner AG


Viel ist um den Bahnhof Altstetten in den vergangenen Jahren geschehen. Die lange Zeit industriell geprägte Zone fünf Kilometer nordwestlich von Zürichs Zentrum hat sich zu einem bedeutenden Knoten des öffentlichen Verkehrs entwickelt. Zahlreiche regionale und überregionale Züge legen einen Halt ein, eine neue Tramtrasse erschliesst seit 2017 das Gebiet nördlich der Gleise. Die Linie 4 wendet nun direkt beim Bahnhof, am Vulkanplatz, wo jüngst zwei Hochhauskomplexe fertiggestellt wurden. Die einst wenige Meter weiter stadtauswärts errichtete Autofabrik Vulcan überlebte das frühe 20. Jahrhundert zwar nicht, doch noch immer erstreckt sich vor ihrem einstigen Standort entlang des Gleisfelds die Vulkanstrasse. Die Fabrikliegenschaft bestand noch bis in die 1980er-Jahre, noch vor kurzem produzierte am Standort die BASF unter anderem noch Betonzusatzmittel.

Städtebaulicher Wandel
Der mit der optimierten Erschliessung einher gehende Wandel des Gebietes vom Industrie- in einen Dienstleistungsstandort wird durch das Projekt Vulcano gefestigt. Mit dem über die Dienstleistung hinaus gehenden Nutzungsmix der Überbauung erhält die Umgebung kräftige neue Impulse. Für die Entwicklung und Überbauung des Areals haben die Eigentümerin, die Immobilienanlagegruppe CSA Real Estate Switzerland der Credit Suisse Anlage- stiftung, und die Immobilienentwicklerin Steiner AG im Jahre 2011 eine Machbarkeitsstudie durchgeführt. Es folgten fundierte Markt- und Standortanalysen und anschliessend ein zweistufiger, nicht anonymer Studienauftrag in Konkurrenz mit fünf eingeladenen Architektenteams. Im April 2013 wurde das Projekt des Stararchitekten Dominique Perrault, Paris, weltbekannt durch die Bibliothèque nationale de France, vom Beurteilungsgremium zur Weiterbearbeitung empfohlen. Im Jahre 2016 fand die Grundsteinlegung statt. Für die Ausführungsarchitektur wurde das Architekturbüro Itten+Brechbühl AG, Zürich, beauftragt.

Übersichtsplan, Steiner AG


Höfe und Türme
Der Entwurf von Dominique Perrault setzt sich aus einer streng orthogonalen Komposition kantiger Prismen zusammen. Der sechsgeschossige Sockel bildet im Grundriss den Buchstaben E, der sich wie ein Kamm nach Süden, zur Bahnlinie, orientiert. Hinter den «Zähnen» des Kamms erheben sich die drei Hochhäuser mit 19 zusätzlichen Geschossen. Das Gebäude erreicht eine Höhe von 80 Metern. Die Grundform des Sockels resultiert in zwei offenen Höfen an der Vulkanstrasse. Über diesen schweben grosse, über das Volumen hinausragende, leicht eingetönte Glasvor- dächer. Von der Dachkante abgesetzt, werden sie von einem Gewirr dünner, schrägstehender Stahlstützen getragen. Die beiden transparenten Plattformen, die auch als «liegende Lärmschutzverglasung» dienen, akzentuieren die Leerräume zwischen den aufragenden Türmen und kontrastieren mit den Stützen die klare stereometrische Figur des Gesamtvolumens. Die Massnahme unterstreicht auch die Monumentalität des Projektes und deutet einen Wechsel in der Nutzung in der Überbauung an.

Das Gebäude ist mit schwarz eingefärbtem Glas eingekleidet. Lochfenster weisen in jedem Geschoss identische Höhen auf, ihre Breite aber variiert. Durch eine fast willkürlich erscheinende Anordnung verschiedener Öffnungsformate, die auch um die Ecken geführt werden, erhalten die Türme trotz ihrer geometrischen Strenge einen abwechslungsreichen Charakter, der auf eine lebhafte Vielfalt im Inneren hinweist.

Auf der Rückseite des Gebäudekomplexes befindet sich ein begrünter, öffentlich zugänglicher Park. Er bildet einen Kontrapunkt zu einer Promenade entlang der beiden angenehm proportionierten Höfe an der Vorderseite. An ihm liegen die konsequent eingemitteten Zugangsachsen der drei Türme, die über zentrale Kerne erschlossen sind.

   
Horizontale Schichtung
Die Urbanität von Vulcano ergibt sich durch die Nutzungsvielfalt, deren Ordnung durch die zunehmende Bodenferne bestimmt wird. Das Erdgeschoss ist weitgehend öffentlichen Nutzungen vorbehalten: Läden, Gastronomieangeboten und einer Kinderkrippe. Zwei öffentliche Durchgänge führen in den äusseren Ecken der Höfe direkt in den rückwärtigen Parkraum. Im östlichen Hof, näher beim Bahnhof, befindet sich der Eingang des Hotels. Das «a-ja» Resort verfügt über 319 Hotelzimmer in den ersten fünf Etagen des Sockelbaus, welcher auch zusätzliche Gewerbe- und Dienstleistungsflächen bietet.

In den drei Türmen schliesslich steht eine grosse Vielfalt von Wohnungstypen zur Miete. Alle sind mit Smart-Home Installationen zur Steuerung von Licht und Storen ausgestattet. Die Palette reicht vom 1,5-Zimmer-Apartment bis zur 5,5-Zimmer-Maisonette. Damit will man einer grossen Bandbreite von Interessenten gerecht werden. Alle Wohnungen verfügen über eine Loggia, die in das Volumen eingezogen ist. Diese privaten Aussenräume sind aus Lärmschutzgründen von der Bahnseite abgewandt. Die Dimensionierung der Türme und der Abstand zwischen ihnen garantiert allen Mietparteien eine herrliche Aussicht.

StandortVulkanstrasse 110, 8048 Zürich
BauherrschaftCredit Suisse Anlagestifung, Immobilienanlagegruppe CSA Real Estate Switzerland, Zürich
EntwurfsplanungDominique Perrault Architecture, Paris
AusführungsplanungItten+Brechbühl AG, Zürich
Projektentwicklung, TotalunternehmerSteiner AG, Zürich
Realisierung2015-2018


Der Artikel erschien erstmalig im Magazin der Schweizer Baudokumentation, Ausgabe 1902.

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