«The Wing»: Coworking nur für Frauen

«The Wing»: Coworking nur für Frauen

Bettina Krause | 19. Februar 2019 | Szene

Büros nur für Frauen? Wer da mit Zickenkrieg rechnet, liegt falsch. Drei Coworking-Spaces in New York und eines in Washington machen vor, wie erfolgreiches Arbeiten unter Frauen aussieht.

Im Zuge der sich schnell und fundiert ändernden Arbeitswelt spriessen Coworking-Spaces in den Grossstädten massenweise aus dem Boden. Als neue Gattung dieses Trends macht das erfolgreiche Konzept «The Wing» – ausschliesslich für Frauen designte Coworking-Spaces – von sich reden. Eine professionelle, soziale und wirtschaftliche Förderung von Frauen durch die Gemeinschaft steht für die beiden Gründerinnen Audrey Gelman und Lauren Kassan im Fokus. Drei exklusive Spaces in New York und eines in Washington gibt es bereits. Für «The Wing Soho», das im Oktober 2017 eröffnete, gestalten Designerin Chiara De Rege und Architektin Alda Ly in nur sechs Monaten ein ehemaliges Warenhaus in New Yorks Mercer Street in die etwa 10 000 Quadratmeter grossen Arbeitsräume um.

No man's land: Mit ihrem Konzept streben die Gründerinnen eine professionelle, soziale und wirtschaftliche Förderung von Frauen durch die Gemeinschaft an. (Bilder: Tory Williams)

No man's land: Mit ihrem Konzept streben die Gründerinnen eine professionelle, soziale und wirtschaftliche Förderung von Frauen durch die Gemeinschaft an. (Bilder: Tory Williams)

2018 kamen das 9000 Quadratmeter grosse «The Wing Dumbo» in Brooklyn, sowie die im April 2018 eröffnete, 10 000 Quadratmeter grosse Dependance in Washington DC hinzu. Die Gestaltung orientiert sich jeweils am ersten Hub «Flatiron», das, noch 3200 Quadratmeter «klein», 2016 in New York entstand.

Flexible Nutzung in alten Strukturen
Räumlich bleiben die originalen Strukturen grösstenteils erhalten und Elemente wie alte Fenster, hohe Decken, Holzdielenböden, Stuck und Backsteinwände werden herausgearbeitet. Gestaltet wird mit dekorativen Tapeten und einer Mischung aus zeitgenössischem und Vintage Design. Frauengerechte Annehmlichkeiten wie Beauty-Rooms, Stillzimmer, Wellness Angebote, Café, Fotobox sowie Filmabende, Podcastraum und Events ergänzen das Angebot, ebenso wie das hauseigene Magazin «No Man‘s Land». Eine grosse Auswahl unterschiedlicher Settings, etwa in grossen Gruppen an einem Tisch, im geschützten Raum oder in einem gemütlichen Sessel mit Kopfhörern, schafft Variabilität für die Nutzerinnen. Das sei der Schlüssel zum grossen Erfolg der schnell wachsenden Kette, so die Designerinnen. Im Stil eines pastellfarbenen Wohnzimmers ist etwa der Empfang gestaltet. Auf einer offenen, flexibel nutzbaren Fläche treffen Mid-Century-Stühle und Sofas auf Lounge-Setups, hellgrüne Bänke stehen vor kleinen, massgefertigten Terrazzo-Tischen, Vintage-Beleuchtung und Teppiche mischen sich unter zeitgenössische Möbel. Überall finden sich Arbeitsplätze zur Einzelnutzung, für informelle Gespräche und Treffen. Es gibt eine grosse Bibliothek, deren Bücher – von und für Frauen – nach Farben sortiert sind und selbst die Kunst an den Wänden ist ausschliesslich von Künstlerinnen gestaltet.

Gestaltung als Corporate Identity
Die farbkräftige und auf hochwertiges Design bedachte Gestaltung erzeugt eine gemütliche Atmosphäre, die zugleich cool, frisch und neu, dabei zeitlos, spielerisch und professionell sein soll. Ein hoher Wiedererkennungswert ergibt sich an allen Standorten durch die Stringenz der Optik. Aus den wiederkehrenden Farben, Stoffen und Mustern und deren Kontrasten formt sich eine Corporate Identity, die sich in allen Dependancen wiederholt. Eleganz spielt dabei eine ebenso grosse Rolle wie Ergonomie. Laut Architektin Alda Li erzählt die räumliche Komposition eine Art Geschichte, in der es Vordergrund- und Hintergrundelemente, Höhen und Tiefen gibt. Wichtig sei jeweils die Betonung des einzigartigen Charakters des Ortes mit seinen erhaltenen, originalen Besonderheiten. Dumbo etwa lebt von seiner industriellen Atmosphäre mit Betonsäulen, Soho ist ein verträumtes Loft und Flatiron ist als coole Penthouse-Wohnung gestaltet.

   
Dass die Gründerinnen für das Design von «The Wing» Frauen gewählt haben, ist natürlich kein Zufall. Welche unterschiedlichen Herangehensweisen an Entwurfsprozesse Männer und Frauen haben und welche Ergebnisse daraus resultieren, untersucht Professorin Uta Brandes von der «International School of Design» in Köln. Nach ihrer Einschätzung sind Frauen häufig verantwortlicher, präziser und bedenken auch das Drumherum mit. Dabei seien sie jedoch weniger risikofreudig und wagten oft nicht den ganz grossen Wurf. Männer entwerfen dagegen deutlich experimenteller, sind damit zum Teil origineller, aber auch weniger reflektiert und weniger verantwortlich. Ein wenig überrascht es bei «The Wing», dass Klischees «weiblichen Designs» wie runde Formen, viel Pink und Pastelltöne diese emanzipierten, feministischen Orte massgeblich prägen. Weniger überraschend ist ihre strikte Policy: Männer dürfen «The Wing» nur ausserhalb der Öffnungszeiten besuchen.

Standorte:
«The Wing Flatiron», New York, 2016, 3200 m2
«The Wing Soho», New York, 2017, 10 000 m2
«The Wing Dumbo», New York, 2018, 9000 m2
«The Wing Washington DC», 2018, 10 000 m2
Bauherrschaft: Audrey Gelman, Lauren Kassan
Architektur: Alda Ly
Design: Chiara De Rege

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