Superschlanke Skyscraper in New York

Superschlanke Skyscraper in New York

Robert Mehl | 13. Juli 2018 | Szene

Büroflächen gibt es in New York genügend, aber zum Wohnen ist der Baugrund schier unerschwinglich. Das Ventil ist die Höhe. Da Geld hier keine Rolle spielt, wird unter Ausreizung der technisch machbaren Minimalgrundrisse in den Himmel extrudiert.

Strich in der Landschaft: Der 246 Meter hohe Wolkenkratzer hat eine Grundfläche von nur 28 x 28 Meter und galt lange als unbaubar. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

Strich in der Landschaft: Der 246 Meter hohe Wolkenkratzer hat eine Grundfläche von nur 28 x 28 Meter und galt lange als unbaubar. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

Die weltweit niedrigen Zinsen und der explodierende Wohnungsmarkt haben in New York City zur Folge, dass in exklusiver Central-Park-Lage Wohnhochhäuser entstehen. Infolge exorbitant teurer Grundstücksflächen gehen diese in ihrer Grundfläche kaum über die reguläre Blockrandbebauung hinaus; die Investitionen finanzieren sich allein über die Gebäudehöhe. Das Ergebnis sind superschlanke Hochbauten, «super slender skyscraper», die neue Massstäbe hinsichtlich Kosten und Konstruktion setzen.

Für 1,35 Milliarden US-Dollar hat der aus Uruguay stammende amerikanische Architekt Rafael Viñoly in der 432 Park Avenue auf einer Grundfläche von 28 x 28 Metern ein 426 Meter hohes Wohnhochhaus errichtet; dessen Schlankheitsgrad 15:1 beträgt, ein Verhältnis von Höhe zu Grundrisslängen, das lange als unbaubar galt. So wiesen die Twin-Towers des World-Trade-Centers ein Verhältnis von gerade einmal 7:1 auf. Vier Blocks weiter, in der 111 West 57th Street, ist aktuell der Steinway-Tower in Bau. Er wird nach seiner Fertigstellung 435 Meter hoch sein und damit eine Schlankheit von 24:1 aufweisen. Und auch Herzog de Meuron haben in der 56 Leonard Street mit dem ob seiner verschachtelten Bauweise oft als «Jenga-Tower» angesprochenen Wohnhochhaus einen architektonischen Beitrag geliefert.

Schon bei der Skizze von Rafael Viñoly fiel der extreme Schlankheitsgrad von 15:1 ins Auge. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

Allen Bauten gemein ist die konstruktionserschwerende Wohnfunktion: Während bei Bürohochhäusern ein geringfügiges Schwanken noch tolerabel ist, ist dies bei Residenzen für Superreiche undenkbar. In der Turmspitze eingehängte Wassertanks dienen als Schwingungsdämpfer, da sie durch ihre Massenträgheit deren windbedingtes Schwanken bremsen. Auch ist die Aussenhaut essentieller Teil des Tragwerks: Sie wirkt aussteifend wie ein Grashalm und ist wie dieser über Knoten – meist versteckt eingebaute Diagonalverbindungen – zusätzlich mit dem Gebäudekern verbunden. Beim Viñoly-Bau sind das vier Technikgeschosse in einer halboffenen Bauweise. Einfallende Winde umströmen hier zusätzlich ein zentrales, zylindrisches Betonvolumen. So entsteht ein den Turm stabilisierender Sog, der ähnlich wirkt wie eine Flugzeugtragfläche.

Eine andere Besonderheit im New Yorker Hochhausbau ist der zwingende Erwerb von Verschattungsrechten. «Zoning lot merger» ermöglichen es Investoren, von der niedrigeren Umgebungsbebauung Verschattungsrechte zu erwerben und diese über ihrem Grundstück zu stapeln. Sowas ist sehr teuer – der Viñoly-Turm etwa zählt auf 54 Etagen 106 Eigentumswohnungen. Der Einstiegspreis für eine 3-Zimmer-Residenz beträgt derzeit 16,9 Millionen US-Dollar, ein komplettes Penthousegeschoss ist für rund 82 Millionen US-Dollar erhältlich.

   
  • Die vier Technikgeschosse haben Viñoly-Architekten in halboffener Bauweise ausgeführt, sodass die einfallenden Winde das zentrale zylindrische Bauvolumen umströmen. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Die vier Technikgeschosse haben Viñoly-Architekten in halboffener Bauweise ausgeführt, sodass die einfallenden Winde das zentrale zylindrische Bauvolumen umströmen. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Der superschlanke Wolkenkratzer ist in der New Yorker Skyline einzigartig. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Der superschlanke Wolkenkratzer ist in der New Yorker Skyline einzigartig. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Die New Yorker Skyline während der Dämmerung. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Die New Yorker Skyline während der Dämmerung. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Die Schlafzimmer im «super slender skyscraper» sind serienmässig mit Panoramafenstern ausgestattet. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Die Schlafzimmer im «super slender skyscraper» sind serienmässig mit Panoramafenstern ausgestattet. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Die grosszügig gestalteten Wohnräume bieten mit Panoramafenstern einen Überblick über die New Yorker Skyline. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Die grosszügig gestalteten Wohnräume bieten mit Panoramafenstern einen Überblick über die New Yorker Skyline. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Sogar die Badezimmer geben den Blick auf die New Yorker Skyline frei. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Sogar die Badezimmer geben den Blick auf die New Yorker Skyline frei. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)
  • Trotz ihrer geringen grundfläche bieten die Wohnungen alle modernen Annehmlichkeiten, im Bild eine Bibliothek. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

    Trotz ihrer geringen grundfläche bieten die Wohnungen alle modernen Annehmlichkeiten, im Bild eine Bibliothek. (Bilder: DBOX for CIM Group & Macklowe Properties)

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