Stufenplan Digitalisierung

Stufenplan Digitalisierung

Manuel Pestalozzi | 14. Januar 2019 | Digitalisierung

Die Digitalisierung ist in vollem Gange, in der Baubranche wie anderswo. Doch diese digitale Transformation muss nicht wie ein Tsunami über die Bauwirtschaft hinwegfegen und alles zerstören: Noch lässt sich die Entwicklung mitgestalten und steuern, damit die gefürchtete Disruption in der Branche nicht eintritt. Die grosse Frage lautet deshalb: Wie lässt sich die Digitalisierung aktiv gestalten? Welche Player können auf diese Entwicklung Einfluss nehmen und wie? Welche Rahmenbedingungen sind nötig, um die Zukunft wirksam zu gestalten?

Die Fachleute beim Schweizer BIM Kongress 2018 plädieren deutlich für eine Deregulierung auf allen Ebenen. Zu viele Regeln behindern die Innovation unnötig. Dazu ist man sich einig, dass die Ausbildung mit der digitalen Entwicklung noch nicht Schritt hält. Und schliesslich gibt es auf der Ebene der Planer und Ausführenden den Stufenplan Digitalisierung, den Bauen digital Schweiz als zentrales Instrument erarbeitet und immer wieder aktualisiert hat. Der in vier Schritte unterteilte Plan ermöglicht es jedem Unternehmen, auf der jeweils richtigen Flughöhe in die digitale Transformation einzusteigen.


Kompass für den digitalen Reifegrad
Das Thema Mehrwert durch Digitalisierung ist Alltag für Alar Jost, den BIM-Beauftragten der Implenia. Der Baukonzern verantwortet heute schon mehr als 150 BIM-Projekte im Jahr. Jost ist daneben Vice-Chair buildingSMART bei Bauen digital Schweiz und der Autor des Stufenplans Digitalisierung. Der auf vier Stufen aufbauende Plan soll es jedem Baubeteiligten ermöglichen, sein Unternehmen effizient und sinnvoll in die Digitalisierung zu überführen. Er ist das zentrale, frei zugängliche Instrument, mit dem die Transformation eingeleitet werden kann.
«Jede Stufe ist ein in sich abgeschlossener Reifegrad-Kompass für die Digitalisierung des eigenen Unternehmens». Der Plan besteht aus den vier Schritten Modell, Kollaboration, Automatisierung und Vernetzung.

Stufenplan Digitalisierung, Bild: Bauen digital Schweiz


Stufe 1
«Auf Stufe eins entwickeln wir die 2D-Pläne in die dritte Dimension weiter, und die Fachdisziplinen können ihre Infos ins Gebäudemodell eingeben und diese strukturieren. Am digitalen Modell sind wiederum umfangreiche Simulationen möglich, die dem Bauherrn die Gewissheit geben, dass das Ergebnis seiner Bestellung entspricht.»

Stufe 2
Auf Stufe zwei nutzen die Anwender das digitale Modell zum Abgleich der Informationen: «Konflikte werden frühzeitig entdeckt und behoben, wodurch die Zusammenarbeit aller Beteiligten komplett anders ausfällt als früher.» Man müsse die Kultur der Zusammenarbeit gemeinsam verändern und Schnittstellen schaffen, was eine Herausforderung sei. «Aber: Am Ende steigt die Qualität des Produktes.»

Stufe 3
Die Vernetzung der Systeme und die Automatisierung des Austausches der Modelle stellt Stufe drei dar, auf welcher die Optimierungsprozesse dynamisch erfolgen können. «Mehrere Personen arbeiten parallel im gleichen Prozess, alles ist interaktiv und transparent.» Dies sei bis vor Kurzem noch reine Zukunftsmusik gewesen, aber Beispiele wie Uber oder die am Kongress vorgestellte Firma Bodenschatz zeigten, dass auch Unternehmen auf dieser Stufe rasch den Markt erobern. Für diese Stufe sei aber eine Open-Data-Strategie nötig, ein «durchgängiger Databackbone», was erst fragmentiert vorhanden sei. «Aber die ersten Akteure gehen schon in Stellung: Die SBB zum Beispiel haben die Entwicklung ihres eigenen Common Data Environment angestossen.»

Stufe 4
Stufe vier des Stufenplans Digitalisierung schliesslich beinhaltet die komplette Zusammenführung der physischen und digitalen Welt. «Die Prozesse sind hier durchgängig vernetzt, modulare Vorfertigung in der Fabrik und Robotik prägen das Bauen der Zukunft.» Hier gebe es Unternehmen wie den neuen US-Bauriesen Katerra, die diese Revolution heute schon umsetzten. «Sie sind auch ein Beispiel für die ungeheure Dynamik, die eine erfolgreiche Zusammenführung der Stufen zwei, drei und vier mit sich bringt.»

Über diese vier Stufen kann sich jedes Unternehmen in der Baubranche in die digitale Transformation einklinken. «Die vier Stufen dienen als Orientierung bei der Etablierung der eigenen Methoden und Technologien, um den Wandel erfolgreich zu gestalten.» Das Tempo, mit dem man die einzelnen Stufen bewältige, sei dabei nicht der Erfolgsfaktor. «Entscheidend ist die Handlungsfähigkeit des Unternehmens, die Koordination und Durchgängigkeit der Massnahmen auf jeder einzelnen Stufe.» Was man im Stufenplan Digitalisierung nicht findet, sind Daten oder Zeitpläne. «Er ist kein Strategieinstrument zur Definition von Zielen und terminierten Meilensteinen», erläutert Alar Jost. «Er ist ein Instrument der Verständigung, eine Hilfe zur Erarbeitung einer gemeinsamen Basis.» Man habe in der Baubranche viele Beteiligte mit ganz unterschiedlichen Flughöhen, was die Digitalisierung betrifft. «Das Feld ist zu fragmentiert, um im Stufenplan inhaltliche Ziele zu formulieren.»

Stufenplan Digitalisierung: Download als PDF


Der Artikel ist erstmalig in der Publikation «BIM Roadmap - 3. Schweizer BIM Kongress» von Bauen digital Schweiz erschienen.

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