Radar: Schutz vor Naturgefahren

Radar: Schutz vor Naturgefahren

Katharina Wyss | 27. Feb 2020 | Digitalisierung

Unwetter verursachen in der Schweiz jedes Jahr Gebäudeschäden in Millionenhöhe. Starke Niederschläge nehmen durch den Klimawandel zu. Mit dem Zurich Naturgefahren-Radar lassen sich die Risiken für jeden Standort in der Schweiz kostenlos ermitteln. Marco Hebeisen, Head of Corporate Responsibility bei der Zurich Versicherungen, erläutert, wie Planer dieses Tool in ihrem Berufsalltag einsetzen können.


Zurich, Marco Hebeisen














Marco Hebeisen ist Head of Corporate Responsability, Zurich Versicherungs-Gesellschaft AG.



Der Zurich Naturgefahren-Radar informiert kostenlos über Risiken zu jedem Immobilienstandort der Schweiz. Richtet sich das Online-Tool auch an Fachleute?
Wenn bei einem Risikostandort die richtigen Massnahmen schon bei der Planung berücksichtigt werden, ist dies sehr viel günstiger, als diese erst nach einem Schadenereignis baulich zu ergänzen. Zurich Schweiz ist deshalb überzeugt, dass der Naturgefahren-Radar auch für Architekten ein sehr nützliches Instrument ist.


Das Bundesamt für Umwelt bietet online verschiedene Gefahrenkarten an. Aus welchem Grund sollten Planer den Naturgefahren-Radar bevorzugen?
Es gibt einen einfachen Grund: Er spart Zeit. Das Online-Tool bildet alle aktuellen und verfügbaren Karten für jeden Standort in der Schweiz ab. Nach der Auswertung der Liegenschaft bietet das Tool zusätzlich eine Übersicht aller notwendigen baulichen Schutzmassnahmen in klar verständlichen Piktogrammen. Damit können Architekten ihre Bauherren bereits in der Planungsphase kompetent beraten und aufklären.


Zurich, Haus am Fluss
Als immer dichter besiedeltes Alpenland ist die Schweiz verstärkt den Launen der Natur ausgesetzt. Insbesondere Hochwasser, Oberflächenabfluss, Stürme, Rutschungen, Lawinen, Hagelzüge sowie Berg- und Felsstürze kommen hierzulande häufig vor. Bild: Zurich Schweiz



Wie machen sich die Folgen des Klimawandels in der Schweiz bemerkbar? Was sind die Folgen davon?
Extreme Wettersituationen haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Insbesondere ist ein Anstieg an starken Niederschlägen feststellbar. Das Problem ist, dass der Boden diese grosse Menge an Regen nicht mehr aufnehmen kann. Das Wasser fliesst deshalb unkontrolliert ab.

Das geht ins Geld: Untersuchungen zeigen, dass auf diese Weise pro Jahr insgesamt Schäden von durchschnittlich 300 Millionen Franken entstehen. Fast die Hälfte aller Hochwasserschäden in der Schweiz gehen auf oberflächlich abfliessendes Wasser zurück. Starkniederschläge setzen oft Gebiete unter Wasser, die weder an einem See, noch an einem Fliessgewässer liegen, wie das in der Stadt Zofingen im Juli 2017 der Fall war oder im Juni 2018 beim Lausanner Bahnhof.


Kann man von einer Zunahme der Schäden sprechen?
Die Schäden, die durch Naturgewalten entstehen, haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Im Jahre 2017 beliefen sie sich gemäss dem Bundesamt für Umwelt auf 3,5 Milliarden Franken. Im Alpenraum führt das Ansteigen der Permafrost-Grenze zu Rutschungen, Murgängen sowie Fels- und Bergstürzen. Im Flachland prognostizieren Experten eine Zunahme von Hochwasser und Überschwemmungen. Auch Erdbeben sind eine unterschätzte Gefahr.


Zurich, Piktogramme
Der Zurich Naturgefahren-Radar verwendet Piktogramme. Damit werden die Sicherheitsvorkehrungen gegen Naturgefahren klar verständlich dargestellt. Bild: Zurich Schweiz



Erdbeben werden als Naturgefahr immer wieder gerne ins Feld geführt. Aber das letzte grössere Beben in der Schweiz liegt schon sehr lange zurück.
In der Schweiz bebt es durchschnittlich zwei Mal pro Tag. Von den rund 800 Erdbeben, die der Schweizer Erdbebendienst jährlich registriert, sind lediglich zehn spürbar. Genau dies kann uns in falscher Sicherheit wiegen. Viel zu oft wird vergessen: Erdbeben sind die Naturgefahr mit dem grössten Zerstörungspotenzial.


Zurich, Analysetool
Das Analysetool bietet eine fundierte Standort- und Liegenschaftsanalyse. Dafür reicht es, im Naturgefahren-Radar die Adresse der gewünschten Liegenschaft einzugeben. Bild: Zurich Schweiz



Erdbeben, Oberflächenwasser … Was deckt der Zurich Naturgefahren-Radar eigentlich alles ab?
Es sind insgesamt zehn Gefahren. Neben Erdbeben, Oberflächenabfluss, Hochwasser, Hagel und Stürmen sind dies Murgänge, Rutschungen, Steinschlag, Fels- und Bergsturz, Lawinen sowie Radon.


Wie wird sich Bauen in den kommenden zwanzig Jahren verändern, um gegen die Herausforderungen des Klimawandels gewappnet zu sein? Welche Schutzmassnahmen für Liegenschaften werden wir immer öfter sehen?
Für den Schutz vor Hochwasser genügen beispielsweise schon kleine Anpassungen wie das Anbringen von Stellriemen oder erhöhte Lichtschächte. Manchmal braucht es ein umfassendes Konzept mit Schutzmauern, die einen Hof rund um ein Gebäude bilden. Damit können bei aufkommenden Hochwasser automatische Schliessvorrichtungen, so genannte Klappschotte, dicht gemacht werden.

Für das Onlinetool der Zurich Schweiz benötigt man bloss die Adresse der Liegenschaft, um Vorschläge für baulichen Massnahmen gegen Naturgefahren zu erhalten.


Zurich, Fallbeispiel
Im Raum Zofingen stand im Juli 2017 das Firmengebäude eines Velo- und Motorradsport- unternehmens bis zu 1.2 Meter unter Wasser. Die unerwarteten Wassermengen des Niederschlags erzeugten einen Schaden von über 200 000 Franken. Bild: Zurich Schweiz



Eine Frage zu Datenschutz und Big Data: Werden bei den Anfragen Daten gesammelt?
Nein. Das darf Zurich nicht. Sonst würden uns Bund, Kantone und Gemeinden die Daten nicht mehr zur Verfügung stellen.


Der Naturgefahren-Radar ist also kostenfrei. Welche Motivation steht dahinter?
Die Aufgabe von Zurich liegt nicht nur darin, Kunden gegen mögliche Schäden zu versichern, sondern auch mitzuhelfen, dass diese gar nicht erst entstehen. Vielen Gefahren kann man ausweichen, etwa durch die geschickte Wahl eines erhöhten Standortes – oder durch bauliche Massnahmen: Denn jeder Franken, der investiert wird, spart zwischen sechs und zehn Franken an Folgekosten ein.


zurich.ch/de/services/naturgefahren

Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG

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Schweiz

Tel. 044 628 28 28

Fax 044 628 29 29

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