Open BIM-Methode in Architektur und Gebäudetechnik

Open BIM-Methode in Architektur und Gebäudetechnik

Manuel Pestalozzi | 15. Januar 2019 | Digitalisierung

Definierte Datenstrukturen und -qualitäten, BIM-Prozessoptimierung beim internen und externen Datenaustausch – mit diesem Ansatz wird das Neu- und Umbauprojekt «Spitalzentrum Oberwallis» in Brig geplant.

Das Projekt soll die baulichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass das Spitalzentrum Oberwallis (SZO) seine Leistungen an einem einzigen Standort in Brig konzentrieren kann. Dafür wurde 2015 ein Projektwettbewerb ausgeschrieben, der vom pluridisziplinären Team um das Büro für Architektur und Spitalplanung Burckhardt+Partner AG und dem Bauingenieurbüro Mange+Müller AG gewonnen wurde. Aktuell ist das Vorprojekt einsehbar. Hauptmerkmal des neuen Spitalzentrums Oberwallis ist der neungeschossige, kompakte Erweiterungsbau entlang der Saltina. Der Bestandsbau erhält einen vergrösserten Sockelbereich. Er ist dabei betrieblich über sämtliche Stockwerke mit dem Erweiterungsbau verbunden.

Visualisieurng des Spitalzentrums Oberwallis, Bild: Burckhardt+Partner


Das Projekt gilt als Best-Practice-Beispiel in der Anwendung von BIM, weil es den open BIM-Prozess für die Koordination der Gewerke Architektur, Gebäudetechnikplanung und Gebäudesimulation veranschaulicht.

Die Zielvorgabe des Planungsteams besteht aus einer These. Sie lautet: Erfolgreiche Nutzung der BIM-Methode gelingt mit engagierten Planungsbeteiligten, strukturierten Vorgaben und Anforderungen von Bauherrenseite!

Der zeitliche Ablauf wird mit den Kürzeln AIA-BAP-FM übertitelt. Die zwei ersten sind im BIM- Leitfaden des VBI Verband beratender Ingenieure festgehalten und erläutert: die Auftraggeber-Informations-Anforderungen und der BIM-Abwicklungsplan. Den Schluss macht das Facility Management.

Die BIM-Methode führt in der Planungsphase zu einer transparenten Kontrolle des Planungsprozesses durch den Bauherrn. Sie ermöglicht eine bessere Planungsqualität. Für die Realisierungsphase versprechen sich die Beteiligten eine höhere Kosten-und Terminsicherheit und die Fehlerreduzierung in der Bauausführung. Mit dem BIM-Modell soll die Erfüllung der Betriebsanforderung Spital 2025 erleichtert werden. Aktuell arbeitet die Verwaltung noch mit dem FM-System «ServiceNow» (derzeit ohne BIM-Schnittstelle), ab Betriebsaufnahme wird eventuell eine neue Software verwendet.

Die Workflow-Kollaborationsplattform für alle Projektbeteiligten ist «dRofus». Sie wird auch als Common Data Environment (CDE)-Plattform bezeichnet und ist mit den lokalen CAD-Modellen (Architektur, Fachplanung HLKS) bidirektional synchronisiert. Gebäudedaten lassen sich mit «dRofus» über die einzelnen Projektphasen hinweg für das Gebäudemanagement und den Gebäudebetrieb weiterentwickeln. Aufbauend auf der CDE-Plattform werden die Berechnungs- und Simulationsmodelle (IDA-ICE, 1700 simulierte Zonen) für die HLKS-Planung (Plancal Noca) sowie der Mengenauszug (Desite) für die Kostenermittlung generiert.

Das Fachteam Gebäudetechnik nimmt IFC-Modell-Checks vor. Sie erlauben eine quantifizierte Rückmeldung. Das Fachteam Architektur erhält mit dem modell- und datengestützten Entwurf die Möglichkeit, für dieses Projekt schnell ganzheitliche Variantenstudien zu erzeugen. Tools wie «Dynamo für Revit» sorgen für einen hohen Automatisierungsgrad in der Ausformulierung, Ergänzung und Optimierung der Modelle. Diese Tools sind auch Datenbanken, deshalb ist eine computergestützte Qualitätssicherung möglich. Sie lassen Auswertungen mit Programmen wie dem «Solibri Model Checker» oder «Microsoft Power BI» zu. Das Fachteam Architektur erhält dadurch zusätzliche wichtige Bewertungsgrundlagen – über die Grundrisse und sporadisch nachgeführte Flächenaufstellungen hinaus.

Das Fachteam Architektur bedient sich auch des Realtime Rendering und der Virtual Reality. Sie erlauben eine umfängliche gestalterische Betrachtung und Darstellung von Varianten und Planungsständen. In der Koordination verlässt man sich auf open BIM-Technologien und Standards wie IFC und BCF. Über sie erfolgt mitunter die Kommunikation im Planer-Team und mit dem Bauherrn. Tools wie «Solibri», «Navisworks» oder «BIM Collab» bilden dabei wertvolle Schnittstellen zwischen der «Digitalen Welt» und den Menschen. Dahinter steht die Überzeugung, dass «Brainpower» in automatisierbaren Bearbeitungsbereichen «Manpower» sparen kann. Dadurch werden Ressourcen für die fachliche und inhaltliche Arbeit frei.

Dieses Best-Practice-Beispiel hat die Beteiligten in der Ansicht bekräftigt, dass bei der open BIM-Implementierung strukturierte Vorgaben und Anforderungen von Bauherrenseite ebenso zwingend notwendig sind wie das Engagement und der Umsetzungswille aller Planungsbeteiligten. Eine gemeinsame Datenumgebung ist die Grundlage für die effiziente Kollaboration, die softwaregestützte Qualitätssicherungssicherung Garant für hohe Planungsqualität. Der Mehrwert eines phasenverschobenen Workload ist vom Änderungsmanagement abhängig. Einen grossen Mehrwert erzeugt auch die Gebäudesimulation im BIM-Prozess.

Eingesetzte Technologien (open BIM)

Bauherr: AIA – BAP
Architektur: Revit, Solibri, Enscape, dRofus, Dynamo
Gebäudetechnik HLKS: dRofus, Revit, Solibri, Plancal Nova, Solibri, dRofus
Mengenermittlung HLKS: Plancal Nova, Solibri, Desite
Gebäudesimulation: dRofus, Revit, SimpleBIM, IDA ICE, Solibri, Revit, dRofus


Der Artikel ist erstmalig in der Publikation «BIM Roadmap - 3. Schweizer BIM Kongress» von Bauen digital Schweiz erschienen.

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