Nachhaltige Baumaterialien aus Abfall

Nachhaltige Baumaterialien aus Abfall

Isabelle Zürcher | 3. Juli 2018 | Szene

Welche Alternativen gibt es zu den üblichen Baustoffen? Kann man auf 6,4 Quadratmetern leben? Diese und ähnliche Fragen standen bei der Veranstaltung «ArchitekturAfterWork» zum Thema «Neues Wohnen für neue Gesellschafsformen» im Fokus. In der Halle 7 in Basel sprachen Dirk E. Hebel, Professor am Lehrstuhl für nachhaltiges Bauen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und Van Bo Le-Mentzel, Architekt und Gründer der Tinyhouse University.

30 Milliarden Tonnen Beton verbrauchen wir jährlich – diese Menge entspricht einer 30 Zentimeter dicken und 1,25 Kilometer hohen Wand, die einmal rund um den Äquator führt. Mit dieser Gleichung verdeutlichte Dirk Hebel, wie hoch der Verbrauch von natürlichen Ressourcen heute ist. Wassergebundener Sand beispielsweise, eine Komponente bei der Betonproduktion, wird zunehmend knapp. Es sei daher zwingend, sich jetzt über alternative Konstruktionsweisen und Baustoffe Gedanken zu machen.

Klemmen statt Kleben
«In der Stadt der Zukunft wird nicht zwischen Abfall und Versorgung unterschieden». Auf dieser These basiert das Projekt «Urban Mining and Recycling» (UMAR) am Innovationsgebäude NEST in Dübendorf. Das Wohnmodul wurde von Werner Sobek mit Dirk Hebel und Felix Heisel konzipiert. Ziel war der Bau einer 150 Quadratmeter grossen Wohnung, die gänzlich aus Elementen besteht, welche nach dem Abbau wieder in den Wertstoffkreislauf zurückfliessen können.

   
  • UMAR Innenansicht, Foto: Zooey Braun

    UMAR Innenansicht, Foto: Zooey Braun
  • ReWall Wandelement aus TetraPak-Abfällen, Foto: Zooey Braun

    ReWall Wandelement aus TetraPak-Abfällen, Foto: Zooey Braun
  • «Mycofoam» Dämmung aus Mycelium, Foto: UMAR

    «Mycofoam» Dämmung aus Mycelium, Foto: UMAR
  • Dämmung aus Denim, Foto: UMAR

    Dämmung aus Denim, Foto: UMAR
  • Keramik aus Glasabfällen, Foto: UMAR

    Keramik aus Glasabfällen, Foto: UMAR

Konkret bedeutet dies: Verzicht auf Kompositmaterialien, Klebstoffe, Silikone oder Schäume. Besonders zeitintensiv gestaltete sich laut Hebel die Suche nach Firmen, die entsprechende Produkte kreierten. Getestet wird unter anderem der Einsatz von Dämmstoffen aus Mycelium, dem Wurzelgeflecht von Pilzen. Nach einer fast zweijährigen Planungsphase bestehen 93 Prozent der Wohneinheit aus wiederverwertbaren Materialien.

Wohnen für 100 Euro
Mit dem «Tinyhouse» entwickelte Van Bo Le-Mentzel ein bezahlbares Wohnkonzept, welches dem Wohnraummangel in Städten entgegenwirken soll. «100 Euro warm» kostet die 6,4 Quadratmeter kleine Wohnung, wobei die Berechnung des Mietpreises auf dem Quadratmeterpreis der jeweiligen Stadt basiert. Das «Tinyhouse» ist mit Bad, Küche, Ess- und Schlafecke ausgestattet, 2 Meter breit und 3,60 Meter hoch.


Tinyhouse Prototyp und Skizze, Bilder: Tinyhouse University

Ein Prototyp wurde in Originalgrösse realisiert und wird seit zwei Jahren getestet. Wichtiger als die Grösse der Wohnung seien die Faktoren Freiwilligkeit, Autonomie und Zugang zu einer Gemeinschaft, stellt der Architekt fest. Folglich werden die einzelnen Wohneinheiten um einen grossen Gemeinschaftsraum, den «Co-being-space» gruppiert. Wie dieser Raum eingerichtet wird und welche Funktion er übernehmen soll, steht den Mietern frei. Vorstellbar sind eine Bibliothek, ein Gemeinschaftsbüro oder auch ein Kinosaal.


Grundriss «co-living house», Bild: Tinyhouse University

«Wir wollen, dass sich die Leute durchmischen und eine Gemeinschaft entsteht» erläutert Le-Mentzel seine Vision. Gut Verdienende will er mit dem Anreiz von Flexibilität als Mieter gewinnen. Da die einzelnen Wohnkompartimente nur durch Gipskartonwände getrennt sind, ist eine Erweiterung jederzeit möglich. So kann sich die Wohnsituation der familiären Situation anpassen. Gerade wurde der «Tinyhouse University» ein Grundstück an der Erlenstrasse in Basel in Aussicht gestellt. Dort will der Architekt «Co-being-Wohnungen» für 300 CHF Miete bauen.

Die Veranstaltung mit anschliessendem Flying Dinner wurde ermöglicht dank der grosszügigen Unterstützung durch Assa Abloy (Schweiz AG), Forbo-Giubiasco AG, Hörmann Schweiz AG, Hoval AG und Sarna-Granol AG.


Herzlichen Dank an: (v.l.n.r.) Rolf Röösli, Christoph Willen und Rino Di Nardi von Hörmann Schweiz AG; Markus Amstad und Mirko Bachmann von Forbo-Giubiasco SA; Hanspeter Link, Burak Oezseven und Stefan Schälin von Assa Abloy (Schweiz) AG; Conrad Peer und Gregor Süssli von Sarna-Granol AG (Foto: Roman Küng, DocuMedia Schweiz GmbH)



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