«Modellbasiertes Arbeiten verbreitet sich rasant»

«Modellbasiertes Arbeiten verbreitet sich rasant»

Ben Kron | 12. April 2018 | Digitalisierung

Alar Jost, Vice-Chair «buildingSMART» bei «Bauen digital Schweiz» und Autor des 4-Stufenplans, zur Digitalisierung der Schweizer Bauwirtschaft.

Vorfabrikation von Bauelementen bei Kalterra: Das US-Unternehmen hat in wenigen Jahren eine enorme Marktmacht entwickelt. (Bild: Bauen digital Schweiz)

Vorfabrikation von Bauelementen bei Kalterra: Das US-Unternehmen hat in wenigen Jahren eine enorme Marktmacht entwickelt. (Bild: Bauen digital Schweiz)

Was hat sich in eineinhalb Jahren BIM-Stufenplan getan?
Die herausgearbeiteten Stufen haben ihre Gültigkeit behalten; es ist keine hinzugekommen. Auf Stufe 3 liesse sich der Aspekt der Artificial Intelligence und des Machine Learning ergänzen. Beispiele wie das Programm «AlphaGo» von Google, für das asiatische Brettspiel geschrieben, zeigen die Möglichkeiten in Sachen Rechenleistung und Lernleistung von Computern. Ein Programm wie «AlphaGo» könnte man einsetzen, um die Herausforderungen von komplexen Bauabläufen anzugehen, beziehungsweise diese zu optimieren.

Wo befindet sich der Markt in Bezug auf die vier Stufen des BIM-Stufenplans?
Die Stufe 2, die modellbasierte Arbeitsweise entlang der Wertschöpfungskette, bei Planung, Ausschreibung oder Ausführung, ist zunehmend einsatzfähig und verbreitet sich rasant. So arbeiteten zum Beispiel Architekt und Haustechniker früher mit einem 2D-Plan und Papier. Heute findet dies am Modell statt. Neue Best-Practice-Dokumente wie die «Bauen digital Schweiz»- Praxisreporte oder Standards wie das SIA-Merkblatt 2051 setzen einen Rahmen für diese neue Art der Kollaboration. Aber auf Stufe 2 arbeiten wir immer noch in analogen Austauschprozessen, wenn auch mit besserem Projektverständnis. Erst auf Stufe 3 erfolgt eine Beschleunigung der Abläufe.

Was ist für die Stufe 3 nötig?
Stufe 3 bringt die Automatisierung. Modellauswertung, Bauprozessmanagement oder Materialflussteuerung laufen über ein Common Data Environment (CDE). Diese Plattform macht es möglich, bisher manuelle Abläufe neu über programmierte Routinen erledigen zu lassen.

Wer soll solche Plattformen bereitstellen?
Immobilienbesitzer und Bauherren wie die SBB oder Roche arbeiten mit Hochdruck daran, solche CDE auf den Weg zu bringen. Für den Bauherrn und die Bauunternehmen bringt ein CDE Transparenz in der Zusammenarbeit und Bewirtschaftung. Ein durchgängig automatisierbares Bauprozess-Management sorgt für eine bis in die Ausführung durchgängige Datenlage für Kostenplanung, Baufortschrittskontrolle oder für den Betrieb einer Liegenschaft. Wer diese CDE-Plattformen beherrscht, wird sich im Rennen um die Digitalisierung einen Vorteil verschaffen.


Bleibt schliesslich die Stufe 4 ...
... die Einbindung der Daten in die physische Welt, sei dies die Maschinensteuerung in der Produktion oder das Internet of Things (IoT) im Smart Home. Der Markt ist hier am wenigsten weit, gleichzeitig fliessen grosse Geldmittel in Start-ups, die IoT- Lösungen einbinden. Die Einsatzfähigkeit auf Stufe 4 setzt voraus, dass die Anwendungen auf Stufen 2 und 3 schon recht weit, eben automatisierbar sind. Die Stufen 2, 3 und 4 werden parallel entwickelt. Start-ups, die in Richtung Robotik oder «Property Tech» gehen, steigen auf Stufe 4 ein. Wer sich mit der Automatisierung befasst, entwickelt auf Stufe 3. In der Planungsbranche steht die Implementation der Stufe 2 im Fokus.

Welches werden die nächsten Schritte in der Digitalisierung des Bauwesens sein?
Wir sehen, welche Marktmacht entsteht, wenn ein Unternehmen die Stufen 2, 3 und 4 kombiniert. In den USA wurde 2015 Katerra gegründet, ein Bauunternehmen, das auf Automation, auf «Prefabrication» und kommunizierende Systeme setzt. Man errichtet also Gebäude, wie man Mobiltelefone montiert, mit Vorfabrikation und Supply-Chain-Management. Katerra hat dafür kürzlich bei einem Fundraising rund 860 Millionen Dollar eingesammelt. Das zeigt, welches Potenzial die Anleger in dieser Methode sehen.

Bauen digital Schweiz
Dieser Artikel ist in Kooperation mit «Bauen digital Schweiz» entstanden. Die Organisation ist eine offene Plattform, die sich für die Digitalisierung im Bauwesen engagiert. Sie vereint Institutionen, Verbände und Unternehmen rund um das Planen, Bauen und Betreiben. Mit dabei ist auch die Docu Media Schweiz GmbH, die das Baublatt herausgibt. Um die Entstehung eines digitalen Fundaments zu fördern, hat «Bauen digital Schweiz» acht Publikationen herausgegeben, die Grundwissen bezüglich Building Information Modeling (BIM) vermitteln. Dabei geht es um den Stufenplan, das Abwicklungsmodell, den Nutzungsplan, den Vertrag und Leistungen, «BIM LOIN»-Definitionen sowie um die allgemeine Förderung des Verständnisses für BIM. Die Publikationen können bestellt werden auf www.bauen-digital.ch

Dieser Artikel ist erstmalig in der Baublatt-Ausgabe 13 erschienen.

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