Luxus trifft auf Understatement

Luxus trifft auf Understatement

Sibylle Hahner | 6. April 2018 | Szene

Boutique-Hotels liegen voll im Trend, jedoch nur wenige können auf eine lange Gastronomie- und Hotelgeschichte zurückblicken. Im Altstadtkern von Zürich sorgt das «Hotel Marktgasse» seit nunmehr zwei Jahren erfolgreich für das luxuriöse Wohl seiner Gäste.

Die Initialzündung für das Projekt ist dem Investor Beat Curti zu verdanken, dem das Zürcher Niederdorf sehr am Herzen liegt. Als Besitzer der Liegenschaften hat er den Umbau, verbunden mit der aufwendigen Sanierung und teilweisen Restaurierung der beiden Häuser an der Marktgasse, dem grossen «Rothus» und dem kleineren «Steinkeller», ermöglicht. Das vornehme Rothus, dessen wechselvolle Geschichte bis ins Jahr 1291 zurückreicht, gilt als eines der ersten Gasthäuser der Stadt.

«Edgy with a brilliant sense of design», so lautet der Kommentar eines Hoteltesters zum Hotel Marktgasse. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

«Edgy with a brilliant sense of design», so lautet der Kommentar eines Hoteltesters zum Hotel Marktgasse. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Seine heutige Fassadengestalt mit den grossen Kreuzstockfenstern und den beiden eingebauten Festsälen gehen auf das Jahr 1573 zurück, als es mit städtischen Zuschüssen herrschaftlich umgebaut werden konnte. Der Gastronomiepionier Emil Bäggli richtete ab Ende der 1930er Jahre das Rothus als florierendes Hotel mit modernen Bars, Restaurants und dem Dancing «Palazzo» ein. Im Steinkeller betrieb er zwei legendäre Beizen, den «Tiefen Keller» und das «Stägefässli».


Fassadenansichten Süd, Ost, Nord. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Das Projekt «Hotel Marktgasse» unter der Leitung von Beat Curti und der Ospena Group AG als Pächterin nahm im 2013 seinen Anfang. Das architektonische Konzept wurde dem für Hotelumbauten geschätzten Büro Miller & Maranta aus Basel anvertraut. Die neue Nutzung als Boutique-Hotel sollte kompatibel sein mit dem weitgehenden Erhalt der wertvollen Bausubstanz. Die historischen Fassaden wurden mit einem der Denkmalpflege verpflichteten, ausgewogenen Material- und Farbkonzept neu belebt. Im Inneren war eine partielle Entkernung nicht zu umgehen, auf einer gänzlich neuen Fundamentplatte steht nun der neue, tragende Treppenhauskern. Der erhaltene historische Dachstuhl wurde komplett demontiert und im sanierten Zustand wieder aufgerichtet.


Vornehme Schlichtheit im Badezimmer: Nachtschwarze Mosaikfliesen und schwarzweisse Dessins überraschen die Hotelgäste. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Das Gestaltungskonzept der neuen Innenräume des Hotels entwickelte – infolge eines Wettbewerbsgewinns – die Creative Design Consultants Kessler & Kessler, welche die zugrundeliegenden Grundrisse der Architekten in der Phase der Überarbeitung teilweise angepasst haben. Für die Umsetzung und Weiterführung der Innenarchitektur nach der Übernahme der Ospena durch die Migros wurde schliesslich das Zürcher Architektur und Design Studio «Ida14» Ende 2014 involviert. «The hotel is edgy with a brilliant sense of design and a cool bar.» So klingen Gästekommentare, zumeist von Instagram-Influencern aus dem skandinavischen Raum. Nach einem gesponserten Weekend im Hotel posten und berichten diese begeistert von der anziehenden Mischung aus historischer Umgebung, Minimalismus und Gemütlichkeit im Hotel Marktgasse. Die Bausubstanz der beiden denkmalgeschützten Häuser wurde sehr sorgfältig gesichert und historische Spuren sichtbar gemacht, davon zeugen wertvolle Fragmente von Wandmalereien und Fenstersäulen aus dem 16. Jahrhundert. Von der jüngeren Geschichte der Liegenschaften erzählen historische Kachelöfen, Stuckaturen oder vertäfelten Wände.


Blick in den Salon des Hotels im Zwischengeschoss: Exklusive Re-Editionen der Stehleuchten von Serge Mouille werden luftig kombiniert mit italienischen Möbeln von Tacchini. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Liebe zum Detail
«Ida14» konnte aus dem Vollen schöpfen, für die vielen «Ecken und Kanten» der alten Gemäuer haben sie zahlreiche handwerkliche Details entwickelt. Die Grundrisse der insgesamt 39 Zimmer beziehungsweise Suiten sind individuell angepasst an die vorhandene Bausubstanz der beiden höhenversetzten, zusammengebauten Liegenschaften. Die originalgetreuen Parkettböden und filigranen Fensterprofile verleihen den Zimmern im Zusammenspiel mit ausgesucht aparten Möbeln und Designobjekten von international renommierten Herstellern den unwiderstehlichen Charme von stylischen Altbauten. Die neuen, grosszügigen Bäder richten sich mit nachtschwarzen Mosaikfliesen, schwarzweissen Dessins und Armaturen von Dornbracht am Minimalismus aus.


Grosszügkeit in der Junior Suite: Skandinavische und massangefertigte Holzmöbel in Beziehung gesetzt zu der historischen Steinsäule loten den Charme von stylischen Altbauten aus. (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Besonderes Augenmerk legte «Ida14» auf ein ausgewogenes Konzept für die Beleuchtung sämtlicher Räume. Einige exklusive Re-Editionen der Klassiker von Serge Mouille oder Leuchten vom italienischen Hersteller «viabizzuno» akzentuieren die Lichtverhältnisse in der Bibliothek bzw. im Salon- und Lobbybereich. In den Hotelzimmern verströmen indessen die Wandleuchten vom französischen Label «Lampe Gras» eine Prise Industriecharme, die bereits Le Corbusier für sich entdeckte. Auch kleine, liebenswürdige Details wie die Trinkbrunnen auf jedem Stockwerk werden von den Gästen sehr geschätzt. Im Zwischengeschoss laden ein Salon und die überschaubare Bibliothek, deren markant rote Bücherregale vom benachbarten Dada Haus bestückt werden, zum Schmökern ein. Für das kulinarische Wohlbefinden wird in der Erdgeschosszone gesorgt. Wo sich früher ein grosser Saal mit Bühne für Cabaret und Tingeltangel befand, ist heute das «Baltho» mit einem Bar- und Restaurantteil eingebaut.


Blick ins Baltho Restaurant: Das gediegene Ambiente wird von den geometrischen Kronleuchtern des Designers Arik Levy unterstrichen. (Hersteller Vibia, Modell Wireflow). (Bilder und Pläne: Miller & Maranta, Ida14 by Karsten Schmidt, Ospena, Betreiberin Hotel Marktgasse)

Standort: Marktgasse 17, 8001 Zürich
Bauherrschaft: Alt-Züri Immobilien AG, Giswil
Architektur: Miller & Maranta, Basel
Innenarchitektur: Kessler & Kessler / Ida 14 by Karsten Schmidt
Realisierung: 2013 - 2015
Gesamtkosten: CHF 34,3 Mio

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