Kluge Holzbauweisen

Kluge Holzbauweisen

Hansueli Schmid, Lignum | 8. Mai 2019 | Fachwissen

Dank hochwertiger Holzwerkstoffe, effizienten Maschinen und den durchgehend digitalen Abläufen von Planung bis Fertigung gelingt es dem Holzbau heute, sich auf dem Markt mit konkurrenzfähigen Angeboten zu behaupten. Unternehmen der Holzbranche beweisen, dass sich heute auch Grossprojekte aus Holz einwandfrei planen und realisieren lassen. Im Vergleich zu anderen Bauweisen ergeben sich zudem hohe Planungssicherheit und entscheidende Zeitersparnisse im Bauablauf. Mehrgeschossige Holzbauten bis über die Hochhausgrenze, Wohnsiedlungen mit bis zu 300 Wohnungen – so zeigt sich der Stand der Technik im Bauen mit Holz heute.

Beim Entscheid für die Holzbauweise stellt sich bald die Frage nach dem geeigneten Bausystem. Alle Bausysteme mit Holz haben eines gemein: die Vorfertigung. Während auf dem Bauplatz das Fundament betoniert wird, arbeitet der Zimmermann in der Werkstatt schon an den verschiedenen Wand- und Deckenelementen.

Im Holzbau bezieht sich der Systemgedanke nicht nur auf das Tragwerk, sondern auf das ganze Bauteil, inklusive Wärmedämmung, Fassaden- und Innenbekleidungen. Einige gehen gar soweit, ganze Gebäudemodule mit komplettem Innenausbau vorzufertigen. Zu den wichtigsten Holzbausystemen gehören heute der Rahmenbau und der Skelettbau. Durch die filigrane Tragstruktur der Bauteile können Installationen und Wärmedämmung in die Konstruktion integriert werden, was bei gleicher Leistung zu einer bis zu 50 Prozent geringeren Wandstärke als im Massivbau führt. Durch das geringe Gewicht von Holzgebäuden kann auch bei den Fundamenten Material gespart werden.


Neue Monte-Rosa-Hütte SAC, 2009. Bauherrschaft: SAC Sektion Monte Rosa; Realisation: ETH Zürich/SAC Schweiz. Architektur: Studio Monte Rosa, Bearth & Deplazes Architekten AG. Bauingenieur, Gesamtstatik: WGG Schnetzer Puskas, Basel. Holzbauingenieur: Ingenieurgemeinschaft Holzbaubüro (Hansbeat Reusser)/SJB (Christian Keiser). Brandschutzbeauftragter: Hansbeat Reusser, Holzbaubüro. Holzbau: Holzbau AG, Mörel. Foto: Hansbeat Reusser, Winterthur/LIGNUM


Holzbausysteme


Hybridbau
In der Hybridbauweise werden Bauteile aus Stahlbeton, Beton oder Backstein mit Bauteilen aus Holz kombiniert. Als Hybridbauteile haben sich Holz-Beton-Verbundsysteme (HBV) in Decken bewährt. Gerne werden massive Stützen-Platten-Bauten mit vorgesetzten Aussenwänden aus Holz kombiniert. Solche Leichtbaufassaden sind bedeutend leichter und dünner als Kompaktfassaden mit Backstein. Dank dem Einsatz von Holz hat ein Gebäude in Hybridbauweise eine bessere Ökobilanz als ein Gebäude in Massivbauweise.



Holzrahmenbau
Zeichnung eines Holzrahmenbaus
Diese Elementbauweise ist heute das wichtigste Bausystem im europäischen Holzbau. Die Leichtbauelemente bestehen aus einem ringsum laufenden Rahmen, die Zwischenräume werden in gleichmässigen Abständen mit Rippen verstärkt. Das Gerippe wird beidseitig mit aussteifenden Holzwerkstoff- oder Gipsplatten beplankt. Die Wärmedämmung ist direkt in die Holzrahmen integriert. Das erlaubt gegenüber Lösungen aus dem Massivbau schlanke Aufbauten mit beträchtlicher Platzersparnis. Holzrahmenbau mit starker Vorfertigung wird auch Holztafelbau genannt.



Skelettbau
Zeichnung eines Holzskelettbaus
Die weitgespannten Stützen-Träger-Konstruktionen und die klaren Konstruktionsprinzipien lassen viel Freiheit bei der Gestaltung. Die Konstruktion aus Brettschichtholz kann auch gebogen sein und bildet im Innenraum oft eindrucksvolle Formen. Der Skelettbau mit Holz eignet sich deshalb speziell für grossvolumige Bauten mit grossen Spannweiten. Ein grosser Vorteil ist die Flexibilität in der Raumeinteilung mit nichttragenden Leichtbauwänden sowie die Möglichkeit, die ganze Fassade zu verglasen.



Massivholzbau Zeichnung eines Massivholzbaus
Die Bauteile der massiven Holzbauweise bestehen aus einem Tragsystem aus grossflächigen Platten. Die Platten können zum Beispiel aus Brettsperrholz, verdübelten Brettstapeln oder starr verleimten Hohlkastenelementen bestehen. Durch die tragende und raumbildende Funktion dieser Bauteile wird die Zahl der Bauteilschichten und Materialien reduziert, Wärmedämmungen müssen jedoch aufgedoppelt werden. Das Tragsystem der massiven Holzbauweise nimmt vertikale und horizontale Belastungen bestmöglich auf und lässt sich statisch einfach berechnen. So eignet sich dieses Bausystem besonders für hohe Bauten.



Blockbau
Zeichnung eines Blockbaus
Der Block- oder Strickbau ist eine sehr alte Massivbauweise. Dabei werden liegende Hölzer aufeinandergeschichtet, welche sich in den Ecken des Gebäudes formschlüssig durchdringen. Heute gibt es weiterentwickelte Blockbausysteme mit integrierter Wärmedämmung und sichtbarer Blockbauoptik. www.holzbau-schweiz.ch



Der Artikel erschien erstmalig in der Broschüre «Argumente für Holz» von Lignum – Holzwirtschaft Schweiz.

Die vollständige Broschüre kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Broschüren zum Thema Holz bei Lignum – Holzwirtschaft Schweiz


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