Klarheit mit Tradition

Klarheit mit Tradition

Bettina Krause | 19. April 2018 | Szene

Den Hotelneubau Bühelwirt gestalteten Pedevilla Architekten sowohl mit traditionellen, regionalen als auch mit modernen Elementen. Entstanden ist ein vertraut wirkender, spannungsreicher Ort, der nicht nur Wanderer glücklich macht.

Auf einem Hügel neben der Dorfkirche, umgeben von dunkelgrünen Tannenwäldern und Weiden, steht auf 1200 Metern Meereshöhe im Südtiroler Ahrntal das Wanderhotel Bühelwirt. Den Hotelneubau mit zwanzig Zimmern, Restaurant und Wellnessbereich platzierten Pedevilla Architekten (Bruneck) als kompaktes Volumen neben dem Bestandsgebäude. Gestalterisch verbinden sie moderne Elemente mit traditionellen, regionalen Bezügen und schaffen damit gleichermassen Vertrautheit und eine spannungsvolle Balance.

In die idyllische Südtiroler Landschaft aus dunkelgrünen Wäldern und grauen, wolkenverhangenen Felsen setzten die Architekten den Neubau mit seiner markanten, dunklen Fassade.

In die idyllische Südtiroler Landschaft aus dunkelgrünen Wäldern und grauen, wolkenverhangenen Felsen setzten die Architekten den Neubau mit seiner markanten, dunklen Fassade.

«Um konkurrenzfähig zu bleiben, wollten wir etwas komplett Neues bauen, das sich von der klassischen Hotelarchitektur abhebt», erklärt Bauherrin Michaela Nöckler-Haller die Projektidee. Das Gebäude erstreckt sich über sechs Geschosse und ist über einen schmalen Steg mit dem Bestand verbunden. «Die Herausforderung bestand darin, einen Zubau zu schaffen, der Rücksicht auf das Bestandsgebäude nimmt und es nicht verdeckt», erläutert Architekt Armin Pedevilla. Zudem sollte von allen Zimmern der Ausblick in die traumhafte Kulisse des umgebenen Naturparks gewährleistet sein. Um die bestehenden Strukturen dabei in Bezug auf Nutzung, Ausblick und Sonneneinstrahlung nicht einzuschränken, wurde der Erweiterungsbau taleinwärts und Richtung Norden positioniert. Das asymmetrische Satteldach und die schräg vorspringenden Erker, die auf die örtlichen klimatischen Verhältnisse reagieren, formen die aussergewöhnliche Silhouette des Hotels mit seiner auffällig dunklen Holzfassade.

Traditionell und kontemporär
Gewünscht war von den Bauherren ein Haus, das nachhaltig gebaut ist und aus hochwertigen, einheimischen Materialien besteht. Zudem sollten die Fassade sowie die Wandflächen ohne gemalte Wände auskommen. «Das Gebäude soll durch seine Nutzung über die Jahre in seiner Ästhetik und Erscheinung reifen und dabei an Emotionalität gewinnen, es soll ‹leben›», beschreibt Architekt Pedevilla die Anforderungen an die Gestaltung. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, stellten die Architekten einen engen Bezug zur Region auf mehreren Ebenen her. Sie arbeiteten mit ortsansässigen Handwerkern und verwendeten Lärchenholz aus den umliegenden Wäldern. Charakteristische Elemente der lokalen Bautypologie übersetzten sie in zeitgenössische Formen. Die in Handarbeit mit Kupfer eingefassten Lampen und die Vorhänge aus der lokalen Lodenmanufaktur stellen ebenfalls einen starken regionalen Bezug her. Zudem verwendeten die Architekten Lehmputz, der mit Schiefergestein aus dem benachbarten Kupferbergwerk vermischt wurde. «Das lässt den Putz zu bestimmten Tageszeiten und Sonnenstunden grünlich schimmern und gibt dem Raum diese vertraute Farbgebung der Ahrntaler Gebirgswelt», erklärt Pedevilla. Auch dem Schwarzton der Fassade wurde eine Grün-Nuance beigemischt, die das Gebäude mit den umliegenden dunklen Grüntönen des Waldes verschmelzen lässt.

   
  • In die idyllische Südtiroler Landschaft aus dunkelgrünen Wäldern und grauen, wolkenverhangenen Felsen setzten die Architekten den Neubau mit seiner markanten, dunklen Fassade. (Bilder: Gustav Willeit)

    In die idyllische Südtiroler Landschaft aus dunkelgrünen Wäldern und grauen, wolkenverhangenen Felsen setzten die Architekten den Neubau mit seiner markanten, dunklen Fassade. (Bilder: Gustav Willeit)
  • Charakteristische Elemente der lokalen Bautypologie haben die Architekten neu interpretiert. Das Lärchenholz aus den umliegenden Wäldern vermittelt Geborgenheit. (Bilder: Gustav Willeit)

    Charakteristische Elemente der lokalen Bautypologie haben die Architekten neu interpretiert. Das Lärchenholz aus den umliegenden Wäldern vermittelt Geborgenheit. (Bilder: Gustav Willeit)
  • Auf den Bänken vor den grossen Fenstern lässt sich die Aussicht am besten geniessen. Sie sind laut Architekten so gestaltet, dass man darin schlafen, sitzen und wohnen kann. (Bilder: Gustav Willeit)

    Auf den Bänken vor den grossen Fenstern lässt sich die Aussicht am besten geniessen. Sie sind laut Architekten so gestaltet, dass man darin schlafen, sitzen und wohnen kann. (Bilder: Gustav Willeit)
  • Schlicht und puristisch – die stilvolle Einrichtung ist auf das Wesentliche reduziert und wirkt gemütlich. Dem Lehmputz ist Schiefergestein aus dem nahen Kupferbergwerk beigemischt. (Bilder: Gustav Willeit)

    Schlicht und puristisch – die stilvolle Einrichtung ist auf das Wesentliche reduziert und wirkt gemütlich. Dem Lehmputz ist Schiefergestein aus dem nahen Kupferbergwerk beigemischt. (Bilder: Gustav Willeit)
  • Bei allen Zimmern steht der atemberaubende Ausblick im Fokus. Die kleinen Balkone sind wegen der meist rauen Witterungsverhältnisse als geschützte Freibereiche entworfen. (Bilder: Gustav Willeit)

    Bei allen Zimmern steht der atemberaubende Ausblick im Fokus. Die kleinen Balkone sind wegen der meist rauen Witterungsverhältnisse als geschützte Freibereiche entworfen. (Bilder: Gustav Willeit)
  • Pläne Hotel Bühlerwirt, St. Jakob (Pedevilla Architekten)

    Pläne Hotel Bühlerwirt, St. Jakob (Pedevilla Architekten)
Insgesamt entsteht durch die Auswahl der regional produzierten Materialien und die einzigartigen Details eine vertraute und «heimelige» Atmosphäre im Hotel und der Besucher spürt: alles hat seine Berechtigung, genau hier an diesem Ort zu sein. Und dabei ist kein Element zu viel oder zu wenig, alles hält sich in Balance.

Reduktion auf das Wesentliche
Die Innenräume sind auf das Wesentliche reduziert, die Einrichtung minimalistisch gehalten und das Gespür für feine Details ist offenkundig. Im Mittelpunkt der Gestaltung steht der Ausblick auf die Berge: «Auf 1200 Metern Höhe sind die Witterungsverhältnisse meist rau, Wetterumschwünge mit Temperatursturz an der Tagesordnung», weiss der Architekt. «An solchen Orten sehnt man sich nach geschützten Freibereichen, ebenso wie nach Blicken in die fantastische Natur. Deshalb haben wir die Balkone klein gehalten und die Fenster so geplant, dass man darin schlafen, sitzen und wohnen kann.» Auf diese Weise wird ein direkter Bezug zum Aussenraum hergestellt und die Natur dank der Schlichtheit der Materialien und Einrichtungen in den Mittelpunkt gerückt. Wie die Architekten in ihrer Planung Traditionelles und Modernes miteinander vereinen, erklärt Pedevilla so: «Das Hotel ist für den Ort, den Nutzer und die Topografie massgeschneidert. Wir haben es aus den Gegebenheiten und Funktionen heraus entwickelt. Das lässt das Projekt vertraut erscheinen, obgleich die Architektursprache eine neue, gegenwärtige ist.» Und Michaela Nöckler-Haller ergänzt: «Die regionalen Materialien schaffen es, dem Besucher zu vermitteln, dass das Gebäude genau in diese Umgebung und an diesen Platz gehört, es wird nicht als Fremdkörper empfunden.» Dass ihr Konzept aufgeht, zeigen die positiven Rückmeldungen der Wanderer, die das Hotel besuchen. «Wir verabschieden sehr viele glückliche Gäste, die gefunden haben, wonach sie gesucht haben», sagt die Bauherrin.

Standort: St. Jakob im Ahrntal, Südtirol (I)
Architektur: Pedevilla Architekten, Bruneck (I)
Realisierung: 2015 – 2017
Gesamtkubatur: 5300 m3

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