Kiruna – eine Stadt zieht um

Kiruna – eine Stadt zieht um

Katharina Wyss | 6. März 2019 | Fachwissen

Die Minenstadt im hohen Norden von Schweden verlegt ihr Zentrum nach Osten. Durch die Erweiterung der Eisenerzmine unterhalb der Stadt wird das Erdreich darüber zu unsicher, um als Grund für die Fundamente der Stadt zu dienen.

Das kreisrunde Rathaus «Kristallen» von Henning Larsen Architects markiert das neuen Zentrum der Stadt. Es wurde bereits im Sommer 2018 in Betrieb genommen. Freistehend daneben ist der charakteristische Glockenturm des ehemaligen Rathauses, der als Teil der urbanen Geschichte hierher versetzt wurde. Bild: White Arkitekter, Ghilardi + Hellsten Arkitekter


Kiruna wurde im Jahre 1900 gegründet, und entwickelte sich durch die hohe Qualität des geförderten Erzes rasch zu einer blühenden Minenstadt. Rund 4 000 Menschen, also ungefähr ein Viertel der Einwohner, sind in der grössten Eisenmine der Welt direkt beschäftigt. Immer tiefer wird in Kiruna gebohrt, um das hochgesättigte Eisenerz ans Tageslicht zu bringen. Heute schon kommt das Erz aus 1.3 km Tiefe, die Eisenader setzt sich noch tiefer in Richtung Osten fort.

Die Minenstadt im arktischen Norden ist der wichtigste Produzent von Eisenerz weltweit.


Operation am Herzen der Stadt
Im Jahre 2013 gewann das Schwedische Büro White Architekter zusammen mit dem Büro Ghilardi + Hellsten Architektur den Wettbewerb für den Masterplan eines phasenweisen Umzugs der Stadt. Im Jahre 2033 wird das Zentrum der Stadt dreieinhalb Kilometer weiter im Osten liegen. In einer Serie von Bauprojekten wird die Stadt sich entlang eines neun urbanen Gürtels in Richtung seines neuen Mittelpunkts verschieben.

Die erste Phase des Umzugs begann im Sommer 2014 und bestand daraus, als Herzen der Stadt einen neuen Hauptplatz mit Rathaus zu gestalten, welche letztes Jahr fertiggestellt wurden. Beim Bau wurde bewusst der charakteristische Glockenturm des alten Rathauses integriert, um die Geschichte der Stadt auch in der Zukunft weiterhin für seine Bewohner lesbar zu machen. Weitere historische Gebäude werden folgen: Rund 21 Baudenkmäler werden weiter östlich einen neuen Standort erhalten.



Geschäftshäuser, welche den hexagonalen Platz umfangen, sollen eine Öffentlichkeit erzeugen, die den ganzen Tag durch währt. Im Süden wird der Platz durch das neue Reisezentrum an der neuen Hauptverkehrsachse abgeschlossen. Bild: White Arkitekter, Ghilardi + Hellsten Arkitekter


Erneuerung der städtischen DNA
Durch den Umzug kann sich die Stadt aber auch von innen erneuern, und ehemalige städtebauliche Mangel ausmerzen: Der neue Masterplan propagiert ein verdichtetes Zentrum mit einem Hauptplatz, einer Haupteinkaufsstrasse und einen Stadtpark. Diese und weitere öffentliche Treffpunkte sollen eine Öffentlichkeit möglich machen, welche die männlich dominierte Demographie der Minenstadt aufbrechen soll und Lebensraum für ein städtischeres, durchmischteres Publikum bietet. Finanziert wird der Umzug der Stadt vom Minenbetreiber LKAB, der dafür gut 474 Millionen Franken investiert. Das Unternehmen entschädigt die Bewohner, die umziehen müssen, mit einem Satz von 125% des Originalwerts ihres Eigentums. Nach aktuellen Berechnungen werden 5000 Haushalte, insgesamt rund 700 000 Quadatmeter Wohn- und Geschäftsfläche durch den Umzug betroffen sein.

Der Artikel erschien erstmalig im Magazin der Schweizer Baudokumentation, Ausgabe 1902.


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