Interview mit Peter Wullschleger, BSLA

Interview mit Peter Wullschleger, BSLA

Katharina Weber | 8. April 2019 | Szene

«Der grüne Vorsprung zahlt sich aus»

Peter Wullschleger, Geschäftsführer des BSLA, über Nachwuchsprobleme, BIM und seinen Appell an die Kollegen vom Hochbau.

Erlenmattpark in Basel
Gelungene Landschaftsarchitektur: der Erlenmattpark in Basel.


Herr Wullschleger, als Geschäftsführer des Bundes Schweizer Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten (BSLA) haben Sie einen guten Überblick über die Anliegen der Schweizer Landschaftsarchitektinnen und Landschaftsarchitekten. Welches Thema bewegt Ihre Mitglieder aktuell am stärksten?
Es gibt verschiedene Baustellen. Über zu wenig Arbeit beklagt sich niemand. Womit wir schon bei einem ersten Problem wären, nämlich dem Nachwuchsproblem. Die Büros haben Mühe, ihre offenen Stellen zu besetzten. Es fehlt am beruflichen Nachwuchs. Grosse Unsicherheit herrscht im Moment bei der Honorierung. Seit die Wettbewerbskommission des Bundes die Berechnungsformel für die Honorare verboten hat, haben die Büros keine verlässliche Handhabe mehr, welche auch von Auftraggeberseite anerkannt wird. Wildwuchs greift um sich, und es droht ein ungesunder Preiskampf, welcher letztlich auf Kosten der Qualität der erbrachten Leistungen geht.

In der Stadt wird im öffentlichen Raum oftmals auf Grünflächen verzichtet, da sie im Unterhalt vergleichsweise aufwendig sind. Dennoch wünschen sich die meisten Einwohner eine grüne Stadtoase. Warum ist die Lobby hier nicht stärker?
Die Budgets der Kommunen sind hart umkämpft. Steuereinnahmen stagnieren, und die Ausgaben für Soziales und Infrastrukturen steigen. Oftmals figurieren grüne Freiräume in der Kategorie «nice to have». Die grüne Infrastruktur hat es noch nicht in die Liga des Verkehrs oder der Energie geschafft. Sie holt jedoch auf. Der Druck der Bevölkerung bewirkt ein Umdenken in der Politik. Wichtig ist, dass der spätere Unterhalt bereits in der Projektphase in die Entscheidungsprozesse einfliesst.

Blick auf Erlenmattpark in Basel
Überblick auf den Erlenmattpark in Basel.


Inwiefern spielt das omnipräsente Thema «Building Information Modelling» (BIM) auch für die Landschaftsarchitektur eine Rolle? Wie wappnet sich die Branche für diese neue Arbeitsmethode?
BIM ist ein ganz grosses Thema – auch in der Landschaftsarchitektur. Es gibt in der Landschaftsarchitektur sehr viele Schnittstellen mit anderen Akteuren wie Architekten, Ingenieuren oder Facility Manager. BIM ist bei grösseren Projekten bereits heute die gemeinsame Projektbasis. Das Problem ist, dass die Standards für die Landschaftsarchitektur noch nicht definiert sind. Der BSLA hat deshalb mit «BSLAdigital» ein Forum eingerichtet, wo Büros ihre Erfahrungen und Bedürfnisse austauschen können. Ausserdem wurde eine Arbeitsgruppe BIM eingesetzt, welche bei der Erarbeitung der Standards für die Landschaftsarchitektur mitarbeitet.

Blattverzierung auf der Erlenmatt
Blattverzierung auf der Erlenmatt


Welche Trends in der Aussenraumgestaltung konnten Sie auf den Gartenbaumessen Giardina und Habitat Jardin erkennen?
Die beiden Messen wenden sich an die Privatkundschaft. Sie möchten im Garten ihren Traum von einer Erholungs- und Wohlfühloase verwirklichen. Der Trend geht seit Jahren weg vom üppig grünen Blumen- und Gemüsegarten, hin zum pflegeleichten, komfortablen und mit allerlei technischem Schnickschnack und Mobiliar angereicherten Wohnzimmer im Freien. Landschaftsarchitekten werden bei der Umsetzung privater Gartenträume nur teilweise zugezogen. Das ist schade, denn sie können nicht nur bedürfnisgerechtere Entwürfe liefern, sie spielen auch eine wichtige Rolle als Treuhänder der Bauherrschaft gegenüber dem ausführenden Gartenbaubetrieb. Neutrale fachliche Beratung kann helfen, Kosten zu sparen.

Wie schätzen Sie die Zusammenarbeit von Hochbau- und Landschaftsarchitekten ein, und welchen Appell haben Sie an die Kollegen vom Hochbau?
Die Zusammenarbeit hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Landschaftsarchitekten sind anerkannte Partner im Planungs- und Bauprozess. Noch nicht ganz bei allen ist allerdings durchgedrungen, dass die erbrachten Leistungen auch ihren Preis haben. Probleme gibt es oft bei der Frage, wer für welche Bereiche federführend ist. Landschaftsarchitekten werden noch zu oft als Spezialisten für Begrünungsfragen zugezogen, obwohl das Freiraumprojekt eigentlich gleichwertig neben der Architektur steht. Der Diskurs muss auf Augenhöhe stattfinden.

Sitzgelegenheit auf der Erlenmatt
Eine von vielen Sitzgelegenheiten auf der Erlenmatt


Bei welchem Bauprojekt ergänzen sich Gebäude- und Aussenraumgestaltung besonders vorbildlich und warum?
Es gibt sehr viele vorbildliche Beispiele! Wenn Architekten und Landschaftsarchitekten von Anfang an zusammenarbeiten und das Projekt gemeinsam entwickeln, kommt es in der Regel gut. Wettbewerbsverfahren, sei es für Wohnungsbau, Schulen, Sport- und Gesundheitseinrichtungen, verlangen heute in der Regel interdisziplinäre Projektteams mit Landschaftsarchitekten. Probleme gibt es dann leider immer wieder mit der Auftragserteilung. Kann der Architekt sein Siegerprojekt umsetzen, passiert es immer noch viel zu oft, dass der Landschaftsarchitekt nach der Wettbewerbsphase verdankt wird oder sich nochmals einer Honorarkonkurrenz stellen muss.
Bei grösseren Projekten oder Quartierentwicklungen ist es natürlich noch gescheiter, mit den Freiräumen zu starten und die Bauten über einen längeren Zeitraum darum herum zu erstellen. Der «grüne Vorsprung» macht sich bezüglich Attraktivität und Akzeptanz bezahlt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Erlenmattpark in Basel.
Übrigens: Dieser Tage erscheint das neue Handbuch Schweizer Landschaftsarchitektur 2019-2020. Darin präsentieren die Büros eine Vielzahl von gelungenen Projekten, in Zusammenarbeit mit Architekten oder auch ohne. Es kann gratis beim BSLA-Sekretariat bezogen werden.



Porträt von Peter Wullschleger




Peter Wullschleger lebt und arbeitet in La Chaux-de-Fonds. Er hat an der Hochschule für Technik Rapperswil Landschaftsarchitektur studiert. Seit 1996 ist er Geschäftsführer des Bundes Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen und bis 2017 Inhaber des Büros «Planum architecture du paysage» in La Chaux-de-Fonds.




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