«Gründächer sind gefragt»

«Gründächer sind gefragt»

Katharina Weber | 24. Juni 2019 | Fachwissen

Ein Flachdach-System muss lange dicht sein, eine Spitzenposition in Ökonomie und Ökologie haben, schnell in jeder Jahreszeit eingebracht und von einem Fachbetrieb ausgeführt werden. Um diese Kriterien zu erfüllen, braucht es eine gute Analyse, damit das richtige Dachsystem ausgewählt wird. Mit Roland Bischoff, Bereichsleiter Dachsysteme bei der Sika Schweiz AG, sprechen wir über bekieste Warmdächer, Ökobilanzen und BIM.

Roland Bischoff, Sika
Roland Bischoff ist Bereichsleiter Dachsysteme bei der Sika Schweiz AG. Seit über 30 Jahren ist er im Flachdach-Business in verschiedenen Positionen bei Sika tätig.


Herr Bischoff, seit der Moderne gehören Flachdächer zum Standard in der Architektur. Warum haben sie die altbewährten Sattel- und Walmdächer abgelöst?
Die Bodenpreise steigen seit Jahren kontinuierlich an. Das führt dazu, dass die Ausnutzungsziffern bis zum Limit ausgereizt werden. Das Potential für die Rendite der Liegenschaften wird damit erhöht. Nach wie vor passt aber nicht jedes Flachdach in ein Ortsbild, so dass das Steildach immer noch etwa 50 Prozent der jährlich erstellten Quadratmeter Dachfläche ausmacht.

Welche Flachdachsysteme sind aktuell am meisten gefragt und warum? Hat sich die Nachfrage in den letzten Jahren verändert? Welche Trends stellen Sie fest?
Das bekieste Warmdach hat aus Kostengründen immer noch den höchsten Marktanteil. Der Anteil der extensiv begrünten Flachdächer hat in den letzten zwei Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Dieser Trend wird sich weiter fortsetzen, da die Lebensdauer eines begrünten Daches sehr hoch ist, die Dachhaut gut gegen Temperatur-Einflüsse und mechanische Beschädigung geschützt ist, die Wasser-Retension immer wichtiger wird und der Lebensraum für Insekten, Bienen etc. erhalten bleibt. Zudem wird der Staub in der Luft von begrünten Dächern aufgenommen, was sich nachhaltig auf die Luftqualität vor allem auch in Städten auswirkt. Das Kunststoffdach – speziell das Sika TPO-Dachsystem – hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich Marktanteile gewonnen. Die Jahrzehnte lange Erfahrung, die schnelle und sichere Verarbeitung, sowie die hervorragende ökologische Positionierung überzeugen viele Bauherren, Planer und Monteure.


Mehrfamilienhaus Stöckacher Süd Bern
Begrünte Flachdächer sind immer mehr gefragt – so auch in der Überbauung Stöckacker Süd in Bern von Armon Semadeni Architekten.


Worauf sollten Architekten bei der Wahl des Flachdachsystems besonders achten?
Jedes Gebäude braucht sein richtiges Dach. Es ist empfehlenswert, bei Unterkonstruktionen aus Holz ein Dachsystem zu wählen, welches mit Heissluft verschweisst wird. Bei der Verarbeitung von Sika TPO-Dachbahnen braucht es keine offene Flamme. Bei begrünten Dächern sollen Systeme zum Einsatz kommen, welche mit einem FLL-Zertifikat gegen Wurzeldurchwuchs geprüft sind. Sika TPO-Dachbahnen sind generell FLL geprüft und brauchen keine speziellen chemischen Zusätze. Bei sehr tiefen oder sehr hohen Aussentemperaturen gibt es bei verschieden Dachsystemen Einschränkungen. Sika TPO-Dachsysteme können auch bei Temperatuten unter 5° Celsius oder bei über 30° Celsius uneingeschränkt fachmännisch ausgeführt werden. Da jedes Produkt nur so gut ist wie es verarbeitet wird, bietet Sika ihren Kunden im hauseigenen Schulungszentrum in Sarnen Grund- und Weiterbildungskurse in der Verarbeitung von TPO-Kunststoffdichtungsbahnen an.

Wie steht es um die Ökobilanz der Sika-Flachdachsysteme?
Die Sika TPO-Dachbahnen erfüllen höchste ökologische und gesundheitliche Anforderungen von Eco-Bau und Minergie-Eco und haben seit 2014 die Bewertung Eco-1. Das bedeutet, dass Sika TPO Dachbahnen folgende Eigenschaften aufweisen:
  • Sehr gut geeignet für Minergie-Eco
  • Entspricht 1. Priorität ECO-BKP
  • Werden Dachsysteme gemäss KBOB-Umweltbelastungspunkte bewertet, so ist ersichtlich, dass das Sika TPO-Dachsystem die Umwelt am wenigsten belastet. Sika hat seit Jahren ein aktives Recycling-System in Betrieb. Unsere TPO-Abdichtungsbahnen können sortenrein recycliert werden. Damit ist das Sika-Dach für nachhaltiges und ökologisches Bauen an vorderster Front positioniert.

    Kalkbreite Zürich
    Für die Bewohner der Zürcher Kalkbreite erhält das Flachdach als grosse Dachterrasse eine besondere Bedeutung.


    Wo sehen Sie Optimierungsbedarf?
    Im Neubau nehmen die mechanischen Verletzungen der Dachhaut während der Bau- und Nutzungsphase laufend zu. Dies, weil das Flachdach oft als Umschlagplatz von nachfolgenden Arbeitsgattungen missbraucht wird. Auch das Sika TPO-Dachsystem braucht bei solchen Anforderungen wie jedes andere Dachsystem eine gute Schutzlage. Lösemittelhaltige Produkte müssen auch im Dachbereich ersetzt werden. Sika bietet für alle Anwendungsgebiete lösemittelfreie Klebstoffe an. Als internationaler Konzern verwenden unsere Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen viel Zeit, um unsere Produkte den laufend veränderten Bedürfnissen unserer Kunden anzupassen. Im Vordergrund stehen hier Anpassungen für eine einfache und sichere Ausführung sowie ökologische und ökonomische Optimierungen. Sika stellt Dachsysteme als BIM-Objekte zur Verfügung.

    Wie ist die Nachfrage nach BIM und wie schätzen Sie die weitere Entwicklung ein?
    Die Nachfrage hält sich in Grenzen, obwohl wir vor allem bei öffentlichen Bauten oder Spitalbauten involviert werden. Die Planungen mit BIM werden unserer Meinung nach zunehmen, jedoch braucht es noch viele Informationen und Ausbildungen für Planer und ausführende Unternehmen. Der heutige Anspruch, ein Gebäude mit BIM zu planen und auszuführen, ist immer noch sehr hoch und sehr aufwendig. Auch müssen Planungs-, Ausführungs- und Nutzungsphase noch besser miteinander verbunden werden. Sika als internationaler Industriepartner hat eine breite Erfahrung mit BIM-Projekten – auch aus dem Ausland – und bietet dadurch gute Unterstützung für alle Involvierten.

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