Glatt Tower Wallisellen - BIM als Lösungsweg

Glatt Tower Wallisellen - BIM als Lösungsweg

Philipp Dohmen | 17. Januar 2019 | Digitalisierung

Das Hochhaus Glatt Tower Wallisellen stammt aus den 1970er-Jahren und wurde umgebaut, um energieeffizienter und ressourcenschonender zu werden. Dank BIM meisterten die Planer den Umbau bei laufendem Betrieb auf vorbildliche Art und Weise. Dafür erhielt das Projekt beim Arc-Award BIM 2018 eine Nomination in der Kategorie Kollaboration.

Visualisierung der Fassade des Glatt Towers nahe der A1 in Zürich. Bild: WR Architekten AG


Jeder, der schon mal auf der A1 von Zürich Richtung Winterthur gefahren ist, kennt ihn: den Glatt Tower. Er wurde 1975 in Betrieb genommen und hat nun über erstaunliche 40 Jahre seine Funktion ohne tiefgreifende Sanierungen oder Veränderungen erfüllt. Im Zuge des Projekts «Energiestrategie Glatt 2030» wird er nun mit dem Schwerpunkt auf Energieeffizienz und Ressourcenschonung auf den neuesten Stand gebracht – und das im laufenden Betrieb. Bau- und Erneuerungsprozesse parallel zum regulären Gebäudebetrieb umzusetzen, ist ungefähr vergleichbar mit einem Reifenwechsel während der Fahrt.

Datenmodelle
Spannend ist, dass für die Arbeit ein «openBIM»-Weg gewählt wurde, so dass jeder Beteiligte in seiner bevorzugten Software arbeiten konnte. Die Modelle sind dem Gebäude entsprechend organisiert. Komplizierte Herausforderungen wie Zwischengeschosse wurden mit den BIM-Definitionen sauber gelöst. In einem gemeinsamen Koordinationsmodell liefen dann alle Informationen zu einem grossen Ganzen zusammen.

Rollen
Die Komplexität der Aufgaben im Glatt Tower erforderte vernetztes Arbeiten innerhalb der Teams mit konstantem Einbezug von Spezialisten. Bemerkenswert ist die pragmatische Umsetzung in der Organisation trotz der schwierigen Ausgangslage. Die Planer haben die Kompetenzen in vier Ebenen organisiert, wobei sie drei dieser Ebenen direkt bei den Verantwortlichen aufgebaut haben. Somit konnte das Team die Aufgaben direkt übernehmen.

Nachverdichtung Schacht, Glatt Tower Wallisellen, Bild: Kaulquappe, WR Architekten AG


Auswirkungen Kollaboration
Der Wille zur Kooperation zeigt sich in dem Durchbrechen der Siloorganisation auf Ebene der Koordination. Die Einreichung zeigt, dass die Methode BIM hier wirklich horizontal verwendet wird, für eine enge Abstimmung und einfache Kommunikation.

Würdigung
Die Jury überzeugte der pragmatische Umgang mit der Methode BIM und deren tiefe Durchdringung in der Organisation. Drei der vier Ebenen lagen in der Verantwortung des Teams. Während man gelegentlich von erfahrenen Planungsteams hört, die bei zuviel bauherrenseitiger BIM-Organisation die Fähigkeit verlieren, die eigene Planung zu organisieren, ist hier das Gegenteil geschehen. Bei diesem bemerkenswert komplizierten Projekt kam BIM nicht zusätzlich hinzu, sondern diente als Lösungsweg, um das Projekt zu meistern. Besonders erfrischend bewertete die Jury den minimalen «Datenfootprint» mit der These «weniger Daten = weniger Fehler». Dabei ist die These «je weniger Daten gepflegt werden müssen, umso höher ist die Qualität» nur dann richtig, wenn man den wenigen Daten auch die entsprechende Aufmerksamkeit zuteil kommen lässt. Aber für die heutige Zeit zeigt das Projekt Glatt Tower einen sehr guten Weg, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Projekt beweist eindrucksvoll, dass BIM bei Umbau und Renovation nicht nur heute schon möglich ist, sondern dass BIM bei der Sanierung unseres Gebäudeparks Schweiz eine wesentliche Rolle spielen muss. Die Jury würdigt dies mit dieser Nominierung.

Bezugsfertigstellung: Okt. 2019
Anzahl Arbeitsplätze: 814
Stockwerke: 11
Geschossfläche: 12 700 m2
Nutzfläche: 9500 m2
Gebäudevolumen: 56 200 m3
Baukosten BKP 2: CHF 34 Mio.
Spezialist: Kaulquappe
Bauherrschaft: Liegenschaften-Betrieb AG (LiB-AG)
Architektur: WR Architekten AG

Ausführliche Unterlagen zum Projekt können hier eingesehen werden.

Der Artikel ist erstmalig in der Publikation «BIM Roadmap - 3. Schweizer BIM Kongress» von Bauen digital Schweiz erschienen.

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