Ein stimmiges Ensemble

Ein stimmiges Ensemble

Renzo Stroscio | 6. April 2018 | Szene

Nördlich der Stadt Lausanne wurden nach den Plänen des Architekturbüros «Richter Dahl Rocha & Associés» auf einem ungewöhnlichen Grundstück ein Aquarium-Vivarium und ein Hotel errichtet.

Das Hotel und Aquarium sind in Lausanne in einem Wissenschaftspark mit einer Ausrichtung auf Lebenswissenschaften eingebettet. Der an der Kreuzung des Autobahnrings mit der neuen Metrolinie M2 befindliche stadtnahe Technikpark Biopôle hat sich zu einem strategischen und aufstrebenden Standort im nördlichen Teil der Waadtländer Hauptstadt entwickelt. Die grosse Herausforderung bestand darin, die vorhandenen Infrastrukturen zu nutzen und gleichzeitig zwei verschiedene, sich ergänzende Gebäude zu errichten. Dies gilt insbesondere für den Bau des Hotels Aquatis, bei dem sich die Architekten die Topographie des Grundstücks und das unebene Gelände bestmöglich zunutze gemacht haben.

Drohnenaufnahme Bürgenstock
Die 143 Hotelzimmer verteilen sich auf die drei oberen Geschosse. (Bild: Fernando Guerra)

Das Gebäude befindet sich über einem Parkhaus mit 1200 Stellplätzen. Aufgrund der atypischen Form sowie der abgerundeten Konturen der Platte entschieden sich die Architekten für ein Gebäude in der Form eines «L». Eine Lösung, die sich angesichts der Gegebenheiten des Baugrundstücks nahezu aufdrängte. Die gewählte geometrische Form ermöglichte die Errichtung eines Gebäudes mit einer Länge von 120 Metern, einer Höhe von 18 Metern und einer Gesamtfläche von 8 800 Quadratmetern auf vier Etagen (Erdgeschoss + 3).

Ein umfassendes Hotelprogramm
Der Haupteingang des Hotels der gehobenen 3-Sterne-Kategorie führt über den Vorplatz. Im Inneren befinden sich die Rezeption und eine mit Sofas und Polsterhockern ausgestattete Lobby. Mit der Hotelbar und dem Restaurant, dessen Kapazität auf 100 Personen ausgelegt ist, verschmilzt die Lobby räumlich zu einer Einheit. Über die gesamte Länge hinweg schaut man aufs Wasser und hat einen unverbaubaren Ausblick auf das Aquarium. Bei schönem Wetter lässt sich diese riesige Fensterfront öffnen und gibt Zugang auf die Aussenterrasse am Wasserbecken.Der zur Autobahn ausgerichtete rückwärtige Teil des Erdgeschosses beherbergt die Service- und Verwaltungsbereiche. Das Hotel bietet einen Rahmen für Kongresse und verfügt über einen grossen Konferenzraum für 300 Personen. Über drei Aufzüge haben die Teilnehmer direkten Zugang zu kleinen Lounges im 1. Stock. Auf dieser Ebene befindet sich auch ein Wellnessbereich.

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Hinter der Fassade aus siebbedrucktem ESG befinden sich die Rezeption und die Lobby. Letztere bildet ein Kontinuum mit einem Restaurant mit 100 Plätzen und der Hotelbar. Über die gesamte Länge bietet dieser Raum einen eindrucksvollen Blick auf das Aquarium. (Bild: Fernando Guerra)

Die 143 Hotelzimmer verteilen sich auf die drei oberen Geschosse. Bei den Räumen handelt es sich um 20 Quadratmeter grosse Doppelzimmer, mit Ausnahme von circa zehn sogenannten «Familienzimmern», welche etwas grösser und zusätzlich mit einer Schlafcouch ausgestattet sind. Zudem verfügt jedes Zimmer über eine hinterleuchtete Aufnahme aus der Unterwasserwelt, die vom Fotografen Michel Roggo stammt. Für optimalen Komfort sorgt jeweils auch ein privates, geräumiges Badezimmer. Die vorgefertigten Bäder wurden während der Bauausführung vor Ort eingebaut. Die Inneneinrichtung des Hotels (einschliesslich der Wahl der Bodenbeläge, Wände und Decken) stammt von der Firma Boas.

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Alle Zimmer sind mit einer hinterleuchteten Fotografie aus der Unterwasserwelt versehen. Für Komfort sorgt jeweils ein geräumiges Badezimmer. (Bild: Fernando Guerra)

Die Architekten gestalteten das Hotel so, dass das Aquarium als Herzstück des Projekts zur Geltung kommt. Die kreisförmige, organisch wirkende Ausführung des Aquariums verleiht dem Gebäude seine einzigartige Identität.

Komplex mit nachhaltigem Ansatz
Bei der Errichtung des Komplexes wurden das bauphysikalische Konzept sowie die Energiesysteme so geplant, dass sie den Kriterien der effizienten Energienutzung vollumfänglich entsprechen und mit der nachhaltigen Entwicklung im Einklang stehen. Die gewählten Materialien sind Teil dieses Ansatzes. Auch die Komponenten der Aussenhaut des Gebäudes wurden optimiert, und zwar sowohl im Hinblick auf die thermische Leistung als auch auf die Investitionskosten.

Ein Bassin trennt das Hotel vom Aquarium. Zwischen den beiden Gebäuden spiegelt das Wasser die Lichtreflexe der Fassade wider. (Bild: Fernando Guerra)

Ein Bassin trennt das Hotel vom Aquarium. Zwischen den beiden Gebäuden spiegelt das Wasser die Lichtreflexe der Fassade wider. (Bild: Fernando Guerra)

Darüber hinaus ermöglicht der Anschluss an das Fernwärmenetz, welches auf der Verbrennung von Kehricht basiert, die Nutzung erneuerbarer Energien mit geringen Treibhausgasemissionen. Die für den gesamten Komplex erforderliche Kälteerzeugung erfolgt durch leistungsfähige Anlagen, welche mit umweltneutralen Flüssigkeiten arbeiten und die Wärmerückgewinnung optimieren. Das zentrale Management der beiden Gebäude der Plattform sorgt für eine Optimierung der Synergien, eine hohe Betriebssicherheit der technischen Anlagen sowie eine erhöhte Energieeffizienz.

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Aufgrund der atypischen Form sowie der abgerundeten Konturen der Platte entschieden sich die Architekten für ein Gebäude in der Form eines «L». (Bild: Fernando Guerra)

Über das Aquarium
Während die im Siebdruckverfahren bedruckten Glasfronten des Hotels die Farben des Ortes widerspiegeln, glänzt die ellipsenförmige Fassade des Aquariums mit ihren 100 000 Aluminiumplättchen, die sich im Wind wiegen. Ein individuelles Befestigungssystem lässt die sich im Wind bewegenden beweglichen Plättchen wie Fischschuppen im Sonnenlicht oder Wellen auf dem Wasser erscheinen. Ein Wasserbecken zwischen den beiden Gebäuden unterstreicht das Spiel der Lichtreflexe des Ortes.


Standort: Route de Berne 144-148, 1010 Lausanne
Bauherrschaft: Fondation Aquatis / Boas Construction SA / Grisoni Zaugg SA
Architektur: Richter Dahl Rocha & Associés architectes SA
Generalunternehmer: Boas Construction SA / Grisoni Zaugg
Gesamtkosten: CHF 120 Mio.

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