E-Mitwirkung in der Raumplanung

E-Mitwirkung in der Raumplanung

Katharina Wyss | 4. Jul 2020 | Digitalisierung

Wie können Mitwirkungsverfahren durch die Digitalisierung beschleunigt werden? Diese Frage beschäftigten die beiden Start-Up-Unternehmen Luucy und Konova gleichermassen.
Seit Anfang des Jahres arbeiten beide Unternehmen zusammen. Während Luucy Rauminformationen und Bebauungsrichtlinien in 3D-Visualisierungen sichtbar macht, werden mit der Software von Konova die Rückmeldungen an die Behörde und Stellungnahmen von Planern und Entwicklern an die Bürger vereinfacht.

Mark Imhof
Mark Imhof, Geschäftsführer von Luucy AG. Das Luzerner Unternehmen vereinfacht mittels digitaler Zwillinge die Kommunikation über räumliche Veränderungen. Ziel ist, die Qualität der planerischen Prozesse zu verbessern und Entscheidungen über zukünftige Entwicklungen effizienter zu gestalten.

Die Anwendung Luucy wurde als Werkzeug zur Innenentwicklung der Schweiz konzipiert und ist seit Mai 2019 als selbständige AG am Markt. Die Entwicklung der Betaversion ist so weit fortgeschritten, dass die Anwendung ab August für Architekten und Stadtplaner als Vollversion auf den Markt kommt.

Miro Hegnauer
Miro Hegnauer ist Inhaber und Geschäftsführer von Konova AG. Die in Zug ansässige Firma bietet digital unterstützte Lösungen für Kooperations- und Mitwirkungsprozesse mit dem Ziel, die Demokratie und Partizipation in der Schweiz zu stärken.

Die in Zug entwickelte Anwendung Konova ist seit 2018 schweizweit im Einsatz, so zum Beispiel in der Stadt Solothurn, im Kanton Zürich oder in der Gemeinde Unterägeri. Den Praxistest in Hinsicht auf den Datenschutz hat die Anwendung bereits bestanden. Heute ist die Anwendung marktführend in der automatisierten Verarbeitung von Daten für partizipative Planungsprozesse.


Sei es bei einer Richtplanung oder auch bei einem grossen Bauprojekt:
Die bislang verwendeten Instrumente der Mitbestimmung von raumplanerischen wie auch von bauplanerischen Entscheiden sind zeitlich langwierig und ineffizient. Der Baustart fertig ausgearbeiteter Grossprojekte kann heute durch Rekursverfahren aufgehoben oder um Monate verschoben werden. Dabei wäre es heute möglich, schon in der Planungsphase den Anspruchsgruppen und ihren Interessen durch die neuen technischen Möglichkeiten des Web 2.0 zu begegnen. Im Dialog könnten Behörden Akzeptanz und damit auch Planungssicherheit gewinnen.

Zwei Schweizer Start-up-Unternehmen, Luucy und Konova, haben es sich zur Aufgabe gemacht, «Mitwirkungs- und Beteiligungsprozesse» durch Online-Tools zu vereinfachen.

Regionales Entwicklungskonzept Horw, Luucy AG
Dank Luucy werden selbst komplexe Bauvorhaben so anschaulich dargestellt, dass sie auch Laien verstehen. Beispielsweise können Schattenwürfe veranschaulicht werden. Beispiel: Regionales Entwicklungskonzept Horw.
Bild: Luucy AG

Eine Vorschau auf die Stadtentwicklung: Luucy
Die Onlineplattform Luucy kann die notwendige Schnittstelle sein, um den Stimmbürgern einen guten Eindruck über zukünftige Ortsplanungen und Projektentwicklungen zu vermitteln.
Auf der Gratis-Onlineplattform ist es möglich, ähnlich wie bei Google Earth, via Mouse eine 3D-Landkarte der Schweiz mit den bereits bestehenden Bauvolumen zu erforschen. Als Zusatzinformation kann man unter anderem den Schattenwurf sowie die Bauzonen einer Gemeinde einblenden.
Das digitale Abbild einiger Gemeinden beinhaltet dabei eingefärbte Volumetrien. Sie zeigen die Grösse künftiger Aufstockungen und Verdichtungen an, die durch eine Bau- oder Zonenplanänderung möglich sind.

Die visuell aufbereitete Information erlebt Luucy-Geschäftsführer Mark Imhof als wirksames Werkzeug, um mit kritischen, engagierten Bürgern transparent zu kommunizieren. «Bis vor etwa zehn Jahren hat man der Obrigkeit einfach noch geglaubt, dass alles gut kommt», meint er. «Inzwischen ist die Bevölkerung viel anspruchsvoller geworden. Deswegen braucht es neue Tools.»
Gemeinden, die bereits mit Luucy zusammenarbeiten, verwenden die erweiterten Funktionen der Plattform zur Kommunikation von Ortsplanungen oder für Machbarkeitsstudien. Architekten und Planer präsentieren ihre Konzepte auf der Plattform und entwickeln ihr Projekt im Dialog mit definierten Nutzergruppen. Die Anwendung wurde als Wissenportal konzipiert. Öffentliche, wie auch nicht öffentliche Datensätze werden dabei neuartig zu wertvollen Erkenntnissen vernetzt.

Dank Luucy wird die Komplexität mancher Vorhaben für Normalbürger auf ein verständliches Mass heruntergebrochen.

Luucygram
Die Grafik des Luucygrams stellt die Möglichkeiten der Mitwirkung in verschiedenen Planungsphasen dar.
Die Zusammenarbeit von Luucy und Konova ermöglich steuerbare Prozesse über den ganzen Planungszeitraum mit früher Mitwirkung der Bevölkerung. Grafik: Luucy AG

Barrierefreie Kommunikation – Konova
Das Programm «E-Mitwirkung» des Zuger Start-Ups Konova AG ermöglicht den papierlosen Dialog zwischen Behörden und Bevölkerung bei Bürgerpartizipationen. In Zeiten von Corona wurde Konova besonders oft angefragt, bietet die Software doch einen barrierefreien Zugang zu partizipativen Planungsprozessen.

Dieser niedrigschwellige Zugang zum Mitwirkungsprozess ist laut Miro Hegnauer, Inhaber und Geschäftsführer von Konova, ein wichtiger Faktor für das Gelingen von Bürgerbeteiligungen. Viel zu oft werde zu Beginn eines neuen Grossprojekts versäumt, die Bevölkerung bereits vor Projektstart in den Planungsprozess einzubeziehen. Dabei kann diese Zeit genutzt werden, um auf die Rückmeldungen einzugehen und durch den Dialog mit den Anspruchsgruppen die Akzeptanz von Planungsprozessen zu fördern oder sogar die Planung anzupassen, bevor es zum Rekurs kommt.

E-Mitwirkung
Ein erstes Beispiel, wie die Funktionen der beiden Applikationen ineinander greifen könnten:
Die Anwendung Luucy stellt anhand von Ansichten eines neu zu entwickelnden Hochhausgebiets die Höhe der geplanten Gebäude. Als Anwender klickt man sich von Ansicht zu Ansicht.
Mit einer Markerfunktion ist es möglich, Kommentare zu hinterlassen, die mithilfe von Geodaten verortet werden und automatisch durch die Anwendung Konova an die richtigen Planer zugestellt werden. Damit erreichen die Kommentare geordnet die richtige Ansprechperson und können in die Planung einfliessen. Grafik: Luucy AG/Konova AG

Die Meinung platziert, an richtiger Stelle
Ihre Zusammenarbeit proben die beiden Unternehmen beispielsweise anhand einer Darstellung einer Hochhausarealentwicklung. In der Probeversion klickt man sich rund um das Gelände von Ansicht zu Ansicht durch. Die verschiedenen Blickwinkel geben Aufschluss über den Schattenwurf und die Setzung der Bauvorhaben und können direkt über einen Marker kommentiert werden.

Der nächste Schritt der Entwicklung könnte Virtual Reality beinhalten: Bereits heute gibt es die Möglichkeit, über einen QR-Code auf einem Baugerüst ein virtuelles Modell auf sein Smartphone oder eine VR-Brille zu laden. Vor Ort überlagert der digitale Zwilling sich mit der realen Landschaft, ähnlich wie bei dem Spiel Pokemon Go. Eine Kommentarfunktion würde dabei anhand von Geodaten die Rückmeldungen über die laufende Planung verorten.

Egal, ob in der Innenentwicklung, der Energie-, Objekt- oder Verkehrsplanung: Die Komplexität von Planungen wird über Datenmodelle sichtbarer und verständlicher. Damit wird die Planung unserer Zukunft nicht nur Fachleuten überlassen sein: Sie braucht die Überprüfung des Anwenders.

Erstmals veröffentlicht im Magazin der Schweizer Baudokumentation, Ausgabe 2020 - 4
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