Digitalisierung auf dem Bau: BIM verstehen

Digitalisierung auf dem Bau: BIM verstehen

Philipp Dohmen | 26. April 2018 | Digitalisierung

Philipp Dohmen ist Vorstandsmitglied bei «Bauen digital Schweiz» und befasst sich mit der Einführung von BIM in der Baubranche. Dafür ist es eminent wichtig, dass sich Besteller, Planer, Unternehmer und Betreiber verstehen und von gleichen Prämissen ausgehen.

Im Mai 2017 wurde die erste Brücke mit sogenannten CPC-Betonplatten in Winterthur ZH eingeweiht. Mit einem Gewicht von 3200 Kilogramm brach der ­Übergang den Rekord für die leichteste Betonbrücke der Welt. (Bild: Pascale Boschung)

Im Mai 2017 wurde die erste Brücke mit sogenannten CPC-Betonplatten in Winterthur ZH eingeweiht. Mit einem Gewicht von 3200 Kilogramm brach der ­Übergang den Rekord für die leichteste Betonbrücke der Welt. (Bild: Pascale Boschung)

OIR, AIR und EIR, OIA, LIA und AIA. Oder doch IOG, IPG und IAB? Wer bisher dachte, BIM (Building Information Modeling) sei an sich schon eine komplizierte Abkürzung, soll abwarten. Da kommt noch viel mehr. Um die Verwirrung komplett zu machen, bezeichnen die obigen Abkürzungen übrigens alle ein und dasselbe: Sie beschreiben alle drei Komponenten eines Abwicklungsmodells: einmal nach ISO, einmal wie es seit zwei Jahren von Bauen-Digital postuliert wird und einmal, wie es der SIA in seinem Merkblatt verwendet.

Aber im Grunde ist es ganz leicht: Das Abwicklungsmodell soll der Verständigung zwischen Besteller, Planer, Unternehmer und Betreiber dienen. Für eine erfolgreiche Umsetzung von BIM ist es unabdingbar, dass jeder Informationen ­produziert, die von den anderen Teilnehmern ­verstanden und eingeordnet werden können. Eine gemeinsame Definition und daher ein Verständnis der Zusammenhänge und Anforderungen der einzelnen Elemente ist dabei wesentlich.

Das Abwicklungsmodell erleichtert die Kommunikation zwischen Besteller, Planer, Unternehmer und Betreiber.

In Deutschland haben sich das Lastenheft und das Pflichtenheft etabliert. Der Auftraggeber beschreibt alle seine Anforderungen in einem Lastenheft. Dank diesem ist es dem Auftragnehmer möglich, ein Pflichtenheft zu erstellen. Es beschreibt, wie und womit der Auftragnehmer das Gesamtvorhaben umsetzen wird. Das Pflichtenheft stellt – oft auch in Kombination mit einem Angebot – die vertragliche Grundlage der zu ­erfüllenden Leistungen dar. Vielleicht trifft «Last» den Sachverhalt viel besser als «Anforderung» oder «Requirements». Denn auch im englischsprachigen Raum gibt es unterschiedliche Auffassungen. Dies führte zu folgender Klarstellung: «Information Requirements (as in OIR, AIR, EIR, BASIR) does NOT mean that the client is asking for information, he is informing of his requirements!
And the planer need to provide a compliance plan.» Das heisst: Der Auftraggeber informiert über seine Anforderungen, er verlangt nicht nach Informationen.

Das Gefängnis in der Cloud
Die Methode BIM entwickelt sich und mit ihr die Werkzeuge, die man zum Steuern und Durchführen von BIM-Projekten braucht. Manches bemerkt man dann erst in der Praxis. So ist die Anekdote mit einem britischen Vorzeigeprojekt legendär: Alle Projektbeteiligten überwarfen sich gegen-seitig mit Ideen, wie man Cloud und andere Services einsetzen kann und wie man Projektdaten hin und her sendet. Der Bauherr beobachtete dies mit zunehmendem Entsetzen und merkte schliesslich an, dass Cloud und andere Services vollkommen ausgeschlossen seien, da man ja hier ein Gefängnis bauen würde.

Damit kommt dem Begriff «BASIR» (Built ­Asset Security Information Requirements) eine wichtige Rolle zu. Denn neben Bauwerken wie Gefängnissen gilt es zu bedenken, dass Informationen zu Infrastrukturprojekten immer sensibel sind. ­Genau wie hinter den Informationsanforderungen der ­Organisation oder des Betriebs

koordinierte und konsistente Pläne stehen und hinter diesen ­Plänen koordinierte und konsistente Strategien stehen sollten, so sollte auch für das Thema ­«Sicherheit» sowohl die Erstellung als auch der Betrieb organisiert, geplant und beschrieben ­werden. Es ist nicht zu übersehen, dass so ein Abwicklungsmodell je nach Bedarf gross werden kann. Aber das ist auch einer der Vorzüge eines Modells: dass man es in jede Richtung und nach Bedarf erweitern kann. Mit der Zeit wird dies in den Arbeitsalltag assimiliert und zur Routine ­werden. Zurzeit scheinen viele Dinge noch kompliziert und mit skurrilen Namen behaftet zu sein. Aber es ist wichtig, sich damit zu befassen, denn das Abwicklungsmodell zeigt die Zusammenhänge von morgen auf.

Bauen digital Schweiz
Dieser Artikel stammt von «Bauen digital Schweiz». Die Organisation ist eine offene Plattform, die sich für die Digitalisierung im Bauwesen engagiert. Sie vereint Institutionen, Verbände und Unternehmen rund um das Planen, Bauen und Betreiben. Mit dabei ist auch die Docu Media Schweiz GmbH, die das Baublatt herausgibt. Um die Entstehung eines digitalen Fundaments zu fördern, hat «Bauen digital Schweiz» acht Publikationen herausgegeben, die Grundwissen bezüglich Building Information Modeling (BIM) vermitteln. Dabei geht es um den Stufenplan, das Abwicklungsmodell, den Nutzungsplan, den Vertrag und Leistungen, «BIM LOIN»-Definitionen sowie um die allgemeine Förderung des Verständnisses für BIM. Die Publikationen können bestellt werden auf www.bauen-digital.ch

Dieser Artikel ist erstmalig in der Baublatt-Ausgabe 15 erschienen.
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