Der öffentliche Raum der Zukunft

Der öffentliche Raum der Zukunft

Katharina Wyss | 24. Feb 2020 | Szene

Wenn die Stadt zum Wohnraum wird

Der urbane Raum hat in den letzten einhundert Jahren enorme Veränderungen erfahren. Nachdem in den Sechzigern und Siebzigern des letzten Jahrhunderts die Städte autotauglich gestaltet wurden, ging spätestens ab den Achzigern der Trend dazu, Fussgängerzonen mehr Platz zuzugestehen. Die Mediterranisierung des öffentlichen Raumes führt dazu, dass Stadtbewohner ihr Lebensgefühl in den Aussenraum verlagern. Strassen und Plätze der Stadt werden zum Treffpunkt. Das sogenannte «urbane Wohnzimmer» stellt neue Anforderungen an den Stadtraum und ihre Möblierung. Heinrich Boller erläutert, welche Trends die Öffentlichkeit der Zukunft bestimmen werden.


Heinrich Boller, Velopa AG













Heinrich Boller ist Business Manager für Urban Furniture/Stadtmobiliar bei der Velopa AG in Spreitenbach.



Wie wird der öffentliche Raum heutzutage genutzt? Welche Bedürfnisse nehmen Sie wahr?
Menschen in Stadtgebieten sehnen sich nach einem Zufluchtsort zwischen Wohn- und Arbeitsstätte. Als öffentliche Begegnungsflächen fördern diese Zufluchtsorte das subjektive Wohlbefinden, indem sie soziale Interaktionen ermöglichen oder als Oasen der Entspannung, der Inspiration oder der Konzentration dienen. Diese neuen öffentlichen Begegnungsflächen sollen einfach, naturnah, nachhaltig und vor allem nutzerorientiert sein. Dazu gehört auch Barrierefreiheit, damit möglichst viele Bewohner der Stadt am öffentlichen Leben teilnehmen können.

Im Zeitalter von digitalen Arbeitskonzepten ist es möglich, ortsunabhängig zu arbeiten. Viele wählen dafür auch den öffentlichen Raum.


Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den öffentlichen Raum aus? Welche Auswirkungen hat sie auf das Mobiliar der Stadt?
Die neuen Megatrends rund um Mobilität, Arbeit und Vernetzung prägen die Erwartungen an Smart Citys. Das Stadtmobiliar solcher Städte muss daher diesen Megatrends mit passenden digitalen Gestaltungs- und Funktionskonzepten gerecht werden.

Die digitalen Nomaden der Neuzeit nutzen die Stadt als ihre Wohnung. In den neuen Sitzgelegenheiten finden sie eingebaute Stauräume, die man digital via Smartphone-App abschliessen oder entriegeln kann, um Gepäck, Sportkleidung, Velohelm oder Geschäftsunterlagen vorübergehend zu lagern. Sie können via dem eingebauten WLAN Daten austauschen, und auch ihre Geräte laden. Selbst für ihr Velo buchen sie über eine App, wie beispielsweise «Bikeep», einen passenden Parkplatz.


«Sitzbänke der Zukunft
werden zu kleinen Stromerzeugern.»



Wie kann der öffentliche Raum gestaltet werden, um Energie zu sparen und damit klimagerechter zu werden?
Auf dem Weg zur Klimaneutralität sind die Städte insbesondere auch auf das Umweltbewusstsein ihrer Bewohner, Arbeitnehmer und Besucher angewiesen.

Die Klimakrise bildet die Grundlage einer neuen globalen Identität. Die Welt hat verstanden, dass eine ökologische Katastrophe zwangsläufig auch eine gesellschaftliche Katastrophe zur Folge hat.

Das Stadtmobiliar der Zukunft ist nachhaltig produziert. Die Materialien dafür stammen aus umweltschonenden Prozessen. Wird Holz verwendet, stammt es aus nachhaltiger, sozialverträglicher und zertifizierter Forstwirtschaft. Neu ist die Idee, Solarpaneele bereits im Design von Sitzbänken und Unterständen zu integrieren. Damit wird nicht nur Strom erzeugt um öffentliche WLANs zu betreiben. Es können auch Ladestationen für Smartphones und Computer zur Verfügung gestellt werden. Man kann die Endgeräte entweder über USB oder induktiv aufladen.

Und es geht sogar noch darüber hinaus: Städte von hoher Dichte stellen vermehrt mietbare E-Bikes zur Verfügung, um das innerstädtische Verkehrsaufkommen zu drosseln. Wenn Stadtmobiliar selbst Strom erzeugt und damit E-Bikes aufgeladen werden können, fördert dies eine Zukunft, in der Verkehrsmittel keine Emissionen mehr verursachen.


   



Wie gehen Sie auf Menschen mit besonderen Bedürfnissen ein?
Urbanes Mobiliar soll generationsübergreifend und genderneutral allen den gesellschaftlichen Austausch möglichst barrierefrei erleichtern. Menschen mit altersbedingten Bewegungseinschränkungen sollen sich mühelos hinsetzten und wieder aufstehen können. Dies erfordert ergonomisch angepasstes Sitzmobiliar.

Sitzbänke können mit Tasttraversen ausgestattet sein, die Menschen mit Sehbehinderung mit ihrem Blindenstock erkennen können. Integrierte Beleuchtungssysteme bei Sitzmöbeln oder Unterständen erzeugen in der Dämmerung oder Nacht ein erhöhtes Sicherheitsgefühl bei allen Bevölkerungsgruppen.


Welche sozialen Interaktionen sollen im Stadtraum noch gefördert werden?
Wenn sich alle sicher fühlen, wird der Stadtraum ein «sozialer Sitzungsort» von Gemeinschaften. Das spielt eine wichtige Rolle bei der generationen- und geschlechterübergreifenden Inklusion. Am öffentlichen Leben sollen alle Anspruchsgruppen gleichberechtigt teilhaben können.

Urbane Freiräume mit generationengerechten und bequemen Sitzmöglichkeiten erleichtern und stimulieren den Dialog untereinander. Für Jugendliche oder Kinder stehen vor allem spielerische oder kreative Sitz- und Liegeelemente im Zentrum. Wo Dialog gefördert wird, soll bei Bedarf aber auch individueller Rückzug möglich sein. Gruppen oder Einzelpersonen wollen sich gelegentlich zurückziehen können, um sich ungestört auf ein bestimmtes Thema oder Gespräch zu fokussieren. Manchmal geht es auch lediglich darum, in Ruhe ein Buch zu lesen, sich allein auszuruhen oder sich im Sommer an einen Schattenplatz setzten zu können. Mobile Sitzgelegenheiten, die sich in städtischen Aussenräumen individuell durch die Nutzer platzieren lassen, bieten hierzu die passende Ergänzung.

Velopa AG

Limmatstrasse 2

8957 Spreitenbach

Schweiz

Tel. 056 417 94 00

Fax 056 417 94 01

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