«Der Markt ist reifer geworden»

«Der Markt ist reifer geworden»

Katharina Weber | 16. Januar 2019 | Digitalisierung

Zum dritten Mal steht Architektin Birgitta Schock der Arc-Award BIM-Jury als Präsidentin vor und konnte über die Jahre mitverfolgen, wie sich der Preis entwickelt hat. Als Chairwoman von buildingSMART Switzerland hat sie einen guten Überblick über die BIM-Aktivitäten in der Schweiz und bringt mit ihrem Büro Schockguyan selbst aktiv die Digitalisierung der Baubranche voran.

Birgitta Schock amtet zum dritten Mal als Jurypräsidenten des Arc-Award BIM. Bild: Katharina Wyss


Die Anzahl der 18 eingereichten Projekte passt zwar wunderbar zur Jahreszahl 2018, liegt aber hinter den Einreichungen des letzten Jahres zurück. Woran liegt das?
Ein Grund könnte sein, dass der Arc-Award BIM 2018 zum dritten Mal in Folge ausgelobt wurde. Die Anzahl der BIM- Projekte, die innerhalb eines Jahres in der Schweiz realisiert werden, sind überschaubar. Von daher ist 18 eine stolze Zahl. Ein anderer Grund könnte sein, dass der Markt vorangeschritten ist und die Kategorien Kollaboration und Innovation erschöpft sind. Bei einem nächsten Preis sollte man die Kategorien hinterfragen.

Dieses Jahr wurden für Kollaboration und Innovation jeweils neun Projekte eingereicht. In früheren Jahren gab es deutlich weniger Einreichungen bei Innovation. Was bedeutet das?
Der Markt ist reifer geworden. Dies stellen wir auch in anderen Bereichen fest, zum Beispiel bei den Inhalten des BIM-Kongresses und anderen Veranstaltungen. Die erste Euphorie, die die Leute zum Thema BIM geführt hat, ist etwas abgeflaut. Stattdessen ist das Bewusstsein im Markt gestiegen. Für diejenigen, die mit BIM arbeiten, stehen mittlerweile die Anwendungen mehr im Vordergrund als die Kollaboration. Funktionierende Zusammenarbeit ist inzwischen fast normal geworden.

Wie schätzen Sie die Qualität der diesjährigen Einreichungen ein?
Erfreulicherweise ist die Qualität auch dieses Jahr wieder deutlich gestiegen, was insbesondere an der Komplexität der Einreichungen ablesbar ist. Wir sehen sehr reife Anwendungen, die BIM-Modelle in sehr unterschiedlichen Formen nutzen: die Anwendungen reichen Informationen in den Betriebszyklus hinein, Informationen geben sie an Produktionseinheiten weiter, Arbeitsbereiche wie die Logistik integrieren sie oder kombinieren andere Methoden wie beipielsweise Lean-Construction mit BIM.

Bei einem der Gewinnerprojekte waren Sie mit Ihrem Büro beteiligt. Wie geht die Jury mit diesem Konflikt um?
Bei der Bewertung des Projekts habe ich mich meiner Stimme enthalten und die Situation von Anfang an sowohl mit Docu Media als auch mit den anderen Juroren transparent besprochen. Es lässt sich im Laufe der Zeit fast nicht vermeiden, bei einem eingereichten BIM-Projekt beteiligt zu sein, wenn man selbst in diesem Bereich tätig ist. Die Auftraggeberin hat das Projekt stellvertretend für ein Team von über zwanzig Büros mit über hundert Mitarbeitern eingereicht. Der Beitrag meines Büros bei dem Projekt im Bereich BIM ist gering, daher wäre es nicht nachvollziehbar, das Projekt auszuschliessen.

Warum spaltet das Thema BIM weiterhin die Gemüter der Schweizer Planer?
(lacht) Hierauf eine sinnvolle Antwort zu geben, ist schwierig. Vermutlich spaltet weniger das Thema BIM die Gemüter, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass sich hinter BIM ein kompletter Change-Prozess verbirgt. Die digitale Transformation verändert Geschäftsmodelle grundlegend, ein erstes Abwehrverhalten ist hierbei ganz normal. Ein Change-Prozess beginnt in seiner ersten Phase entweder mit Euphorie oder mit Widerstand. Diese Phase geht dann in einen Erkenntnisprozess über, der zwar manchmal von Angst und Ablehnung geprägt ist, oftmals aber zum Wunsch nach Neuorientierung führt. In der letzten Phase wird die digitale Transformation akzeptiert und schlussendlich auch integriert.

Mit welchen Argumenten überzeugen Sie zögerliche Planer, sich an das Thema BIM zu wagen?
Argumente sind hier nicht zielführend. (lacht) Überzeugungsarbeit kann man aber leisten, indem man zeigt, es funktioniert! Das motiviert andere, BIM einfach mal auszuprobieren. Durch das Ausprobieren lösen sich innere Widerstände und das Interesse steigt. Argumente werden damit hinfällig. Vielleicht funktioniert noch nicht alles ideal, aber es wird zunehmend besser, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen und jeder seinen persönlichen Vorteil erkennt.

Weitere Informationen zum Arc-Award BIM


Der Artikel ist erstmalig in der Publikation «BIM Roadmap - 3. Schweizer BIM Kongress» von Bauen digital Schweiz erschienen.

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