«Das Beleuchtungskonzept von Museen ist anspruchsvoll»

«Das Beleuchtungskonzept von Museen ist anspruchsvoll»

Katharina Weber | 23. Juli 2019 | Fachwissen

Die Fluora Leuchten AG, Flawil SG entwickelt und produziert individuelle Lichtlösungen seit über 70 Jahren. Trotzdem haben die Mitarbeiter ihre Passion für anspruchsvolle Beleuchtungssysteme nicht verloren. Mit Karsten Koch, seit 2015 Leiter Lichttechnik bei Fluora, sprechen wir über Innovation, professionelle Lichtplanung und das Naturkundemuseum St. Gallen.


Portrait von Karsten Koch









Karsten Koch ist seit 2015 passionierter Leiter Lichttechnik bei der Fluora Leuchten AG in Flawil SG.


Herr Koch, auf der Webseite beschreiben Sie Fluora als «innovativen Leuchtenhersteller». Was genau ist innovativ bei Ihnen?
Innovation steht bei uns für «Erneuerung» – sprich neue Ideen und Produkte auf den Markt zu bringen. Seit Gründung der Fluora Leuchten AG vor ca. 70 Jahren ist unser Unternehmen bestrebt, Leuchten auf dem Markt zu platzieren, die auf dem aktuellsten technischen Stand ihrer Zeit sind. Ob zu Zeiten der Glühlampe, der FL-Röhre oder der heutigen LED. Wir statten unsere Leuchten mit der modernsten Technik aus. Unser gesamtes Produktportfolio unterliegt einem ständigen Entwicklungsprozess. Nur so ist es möglich, sich erfolgreich auf dem Leuchtenmarkt zu positionieren.
Innovativ heisst für uns aber auch, uns mit den Bedürfnissen und Wünschen der Architekten und Planer auseinanderzusetzen und uns aktiv an der Leuchtengestaltung zu beteiligen. Hierbei gilt in erster Linie, die Anfrage eines Kunden (zum Beispiel entsprechende Handskizzen) unter Einhaltung der architektonischen Linie sowohl auf technische Machbarkeit als auch auf die Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen zu prüfen.
Als langjähriger schweizerischer Leuchtenhersteller haben wir die Möglichkeit, schnell und unkompliziert entsprechende Prototypen zu bauen und diese im firmeneigenen Lichtlabor auf «Herz und Nieren» zu prüfen sowie alle lichttechnisch relevanten Daten zu erfassen.
Ein weiterer Baustein unserer Innovativität ist die Entwicklung eigener LED-Platinen. Mit diesen Platinen können wir unseren Kunden Leuchten anbieten, die trotz verschiedener Bauformen und -grössen mit dem gleichen LED-Typ bestückt sind und somit die absolut identischen lichttechnischen Daten aufweisen.


Professionelle Lichtplanung beginnt mit den Wünschen der Architekten. Gigon Guyer Architekten gestalteten das Hotel Fassbind in Zürich-West mit Unterstützung der Fluora Leuchten AG.


Warum ist professionelle Lichtplanung wichtig?
Die Lichtplanung als Bestandteil eines umfangreichen Planungsprozesses, weit vor Beginn der Bauphase, legt den Grundstein für eine optimale Ausleuchtung der entsprechenden Räume. Ziel ist – egal ob Schule, Büro, Spital oder Produktionshallen – dem Endnutzer ein Licht zur Verfügung zu stellen, das einerseits den gesetzlichen Anforderungen entspricht und andererseits eine energie- und umweltbewusste Nutzung ermöglicht.
Hierbei ist es wichtig, viele lichttechnische Aspekte unter einen Hut zu bekommen und optimal einzusetzen, wie zum Beispiel: - die Entblendung
- die Lichtfarbe
- die Beleuchtungsstärke
- die Farbwiedergabe
- die Systemleistung
- das Farbspektrum
- uvm.
Die Bewältigung dieser anspruchsvollen Aufgabe zeichnet eine professionelle Lichtplanung aus.


Bei der Beleuchtung im Naturkundemuseum St. Gallen brachte die Fluora Leuchten AG die architektonische Linie, die Vorgaben des Museum und die technische Machbarkeit in Einklang.


Was ist an der Lichtplanung für Museen besonders und worauf sollten Planer achten?
Das Beleuchtungskonzept von Museen ist recht anspruchsvoll. Es muss Licht in einer sehr hohen Qualität zur Verfügung gestellt werden. Dies betrifft in erster Linie die Farbwiedergabe und Lichtfarbe des eingesetzten Lichts.
Darüber hinaus muss die Beleuchtung multifunktional gestaltet sein. In einem Museum müssen verschiedene Szenarien realisiert werden können. Zum einen muss eine Grund- bzw. Allgemeinbeleuchtung gegeben sein, die dem Raum eine optimale Helligkeit gibt. Zum anderen wird eine Objektbeleuchtung eingesetzt, die zur direkten Ausleuchtung der Exponate dient. Diese ist immer abhängig von den jeweiligen Objekten und deren speziellen Anforderungen.
Weitere Funktionen, wie zum Beispiel die Notbeleuchtung, zur gefahrlosen Evakuierung der Besucher, oder die Putzbeleuchtung, um dem Reinigungspersonal optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen, müssen möglichst ohne zusätzliche Leuchten gewährleistet werden.
Um die Anzahl der Leuchtenkörper zu optimieren, müssen oftmals all diese Anforderungen in ein und derselben Leuchte bzw. Leuchtensystem integriert werden. Dies wiederum ist eine grosse Herausforderung sowohl für den Planungsprozess als auch für uns als Leuchtenhersteller.
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei der Ausleuchtung speziell von Museen, ist die Positionierung der Leuchten. Geht es doch in erster Linie darum, die Kunstwerke optimal und vor allem blendfrei mit einem qualitativ hochwertigen Licht mit naturgetreuer Farbwiedergabe auszuleuchten.
Ein weiterer Punkt ist die Flexibilität der Beleuchtung. In kaum einer anderen Anwendung wird die Ausrichtung bzw. Positionierung einer Leuchte so oft verändert wie in einem Museum. Jede Ausstellung bzw. jedes Kunstobjekt hat seine ganz persönliche Individualität und muss dementsprechend ausgeleuchtet werden.


Die Doppelringleuchten aus Aluminium verleihen diesem Sekretariat in Fribourg ein repräsentatives Ambiente.


Welches war Ihr bislang spannendster Auftrag und warum?
Zum Themenbereich Museum gehört auf jeden Fall das Naturmuseum St. Gallen. Auch hier bestand für uns die Aufgabe darin, die architektonische Linie des Architekten und die Vorgaben des Museums mit der technischen Machbarkeit in Einklang zu bringen. In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten haben unserer Techniker und Konstrukteure ein Leuchtensystem entwickelt, das allen Anforderungen gerecht wird.
Neben zahlreichen anderen Projekten für diverse Schulhäuser, Bürogebäude, Spitäler, Kirchen, Kindergärten und Produktionsstätten war die Ausleuchtung des Flughafens Bremen eine ganz spezielle Herausforderung.
Der Terminal sollte mit grossflächigen Rundleuchten ausgeleuchtet werden. Ergänzend dazu gibt es oberhalb der Einkaufsläden ein circa 50 Meter langes, mit unterschiedlichen Schriftzügen bedrucktes, wellenförmiges Lichtband. Allein die Grösse der Leuchten mit einem Durchmesser bis zu 4,50 Metern stellte besondere Anforderungen an die Statik der Leuchten. Zusätzlich mussten Komponenten der Haustechnik wie zum Beispiel die Sprinkleranlage integriert werden. Auch hier haben unsere Techniker und Konstrukteure wieder Sonderleuchten kreiert. Aufgrund der Grösse der jeweiligen Leuchten haben wir uns für eine Ausführung als Spannfolienleuchte entschieden, was übrigens auch eine Spezialität der Fluora Leuchten AG ist.

Die Grösse der Leuchten im Bremer Flughafen stellte mit 4,5 Metern Durchmessern eine besondere Herausforderung für die Statik dar.


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