«Bodenwahl ist oft zu oberflächlich»

«Bodenwahl ist oft zu oberflächlich»

Katharina Wyss | 4. Februar 2019 | Fachwissen

Die Firma Fabromont AG in Schmitten FR produziert textile Bodenbeläge, indem sie kleine Faserkugeln herstellt, die flächig zum sogenannten Kugelgarn verbunden oder in das kostengünstigere Kugelvlies eingestreut werden. Verkaufsleiter Wolfgang Tesch spricht mit uns über Herausforderungen, Tendenzen und Ökobilanzen von textilen Bodenbelägen und warum die europäische Zentralbank für ihn besondere Bedeutung hat.

   



Herr Tesch, Anhydritböden und Holzbeläge liegen im Trend. Aus welchen Gründen sollten sich Architekten dennoch für einen textilen Bodenbelag entscheiden?
Zum einen sorgen textile Bodenbeläge für Rutschsicherheit und eine angenehme Raumakustik. Dies spielt insbesondere im Arbeits- oder Lernumfeld eine wichtige Rolle. Zum anderen sind die textilen Beläge zwar im Einkauf oft nicht günstiger als die elastischen oder harten Beläge, aber im Unterhalt. Die Unterhaltskosten überwiegen die Beschaffungskosten, daher sind die Lebenszykluskosten der textilen Bodenbeläge geringer. Sie liegen bei 23 bis 25 Franken pro Quadratmeter und Jahr. Mit 55 bis 60 Franken pro Quadratmeter und Jahr muss man für Hartbeläge deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Für welche Räume ist textiler Bodenbelag besser oder schlechter geeignet?
Geeignet sind textile Bödenbeläge eigentlich in allen Räumen, in denen der Mensch im Vordergrund steht – das sind Wohnräume, Büros, Schulen, Altenheime oder Kulturräume. Ungeeignet hingegen sind neben Industriehallen auch Räume, die aseptisch sein müssen, zum Beispiel Arztpraxen oder OP-Räume.

Welche Tendenzen stellen Sie bezüglich Farben und Materialien fest?
Im Objektbereich ist die Nachfrage bei der Bodenfarbe seit Jahren konstant: Grau in verschiedenen Abstufungen, eventuell ein bisschen blau oder beige. Für Schulbauten beweisen Planer meist etwas mehr Mut, dort tauchen vereinzelt auch die Farben grün oder rot auf.
Bei den Materialien geht ein Trend wieder Richtung Polyvinylchlorid (PVC) in Form von sogenannten Designbelägen «Luxury Vinyl Tiles» (LVT). Dabei handelt es sich eigentlich um bedruckte PVC-Folien. Ich stehe diesem Material allerdings sehr skeptisch gegenüber. Wir bei Fabromont verzichten bewusst auf die Verwendung von PVC, insbesondere wegen der Chlorchemie. In den 1990er-Jahren hiess es, das Amalgam-Verfahren, bei dem aus Chlor PVC hergestellt wird, solle durch umweltfreundlichere Verfahren ersetzt werden. Dies ist bis heute leider kaum geschehen. Zudem entstehen bei der Verbrennung von PVC, ob beim Wohnungsbrand oder in der KVA, hochgiftige Chlordioxine, die bereits in geringen Mengen krebserregend wirken.

Aus welchen Materialien stellt Fabromont die Kugelgarne und -vliese her und wie steht es um deren Ökobilanz?
Fabromont verwendet Materialien aus Polyamid, Polypropylen und Polyester. Damit erhalten wir textile Bodenbeläge mit ausgewogenen Eigenschaften wie hohe Strapazierfähigkeit, einfache Reinigung, geringe Elektrostatik und lange Haltbarkeit.
Unsere Ökobilanz haben wir zusammen mit der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden (GuT) erstellt. Die erstellte «environmental product declaration» (EPD) wurde im Anschluss vom Institut für Bauen und Umwelt validiert und kann im Internet unter www.ibu-epd.com nachgelesen werden. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden, hinsichtlich Energieverbrauch und -art können wir unsere Prozesse allerdings noch optimieren.

Mit welchen Herausforderungen sieht sich die Bodenbranche aktuell konfrontiert?
Häufig gehen die Planer bei der Wahl des Bodens zu oberflächlich vor. Architekten und Generalunternehmer entscheiden oftmals nur nach Farbe, Preis und wenigen technischen Daten. Jedoch muss ein Boden, insbesondere im Objektbereich, vielen Anforderungen standhalten; diese sind Dauerhaftigkeit, Ergonomie, Multifunktionalität, Kompatibilität, Umweltverhalten, Servicefreundlichkeit und Sicherheit.
Zudem gerät der Bodenbelag, als letztes Gewerk im Bau, budgetmässig nicht selten unter die Räder. Allerdings sollte dem Bodenbelag besonderes Augenmerk geschenkt werden, schliesslich sind die Nutzer mit diesem Bauteil am häufigsten in direktem Kontakt.

Welcher war Ihr bislang spannendster Auftrag?
Spannend fand ich die Ausstattung der europäischen Zentralbank in Frankfurt. Die Zusammenarbeit erfolgte länderübergreifend, das Architekturbüro Coop Himmelb(l)au sass in Wien, der Bauherr in Frankfurt. Vor allem die Logistik war sehr anspruchsvoll, weil wir 60 000 Quadratmeter Bodenbelag als «just-in-time»-Lieferung in verschiedenen Etappen zubringen mussten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Wolfgang Tesch
Leiter Vertrieb bei der Fabromont AG in Schmitten FR.


Als promovierter Mikrobiologe ist Wolfgang Tesch Experte für mikroskopisch kleine Strukturen. Seine Erfahrungen aus umwelttechnischen Labors bringt er heute bei der Fabromont AG ein, um neue Rezepturen der textilen Bodenbeläge kontinuierlich weiterzuentwickeln.


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