BIM im Neubau Spital Limmattal

BIM im Neubau Spital Limmattal

Katharina Weber | 13. November 2017 | Digitalisierung

Die Welt blickt auf Schlieren: 30 Experten aus der ganzen Welt besichtigten den Neubau des Spitals Limmattal in Schlieren. Er gilt als leuchtendes Beispiel dafür, wie BIM Planung und Ausführung vereinfacht.

© Losinger Marazzi

© Losinger Marazzi

Was für eine saubere, aufgeräumte Baustelle! Fast schon klinisch sauber – als wären hier nicht mehr Bauarbeiter mit Bohrern, Hämmern und Sägen am Werk, sondern schon die Chirurgen mit ihren sterilen Schnittwerkzeugen. Dabei dauert es noch bis Ende 2018, bis das Spital Limmattal eröffnet wird und 200 Betten und fünf neue Operationssäle genutzt werden können. Vor fünf Jahren war Spatenstich, derzeit beginnt der Innenausbau im sechsgeschossigen Baukörper, dessen massiges Volumen durch fünf Lichthöfe gebrochen wird. 30 Experten aus verschiedenen europäischen Ländern sowie Korea, China und Japan besichtigten im Juni dieses Jahres die Baustelle. Sie kamen aber nicht wegen der Sauberkeit, für die die Schweiz sonst so bekannt ist, sondern wegen BIM: Der Spitalneubau gilt als Paradebeispiel für den fortgeschrittenen Einsatz der Arbeitsmethode «Building Information Modeling». Eingeladen zur Baustellenbesichtigung hatte die Organisation «buildingSMART International» (siehe Infobox).

Geheimnisvolle Quadrate
Auf der Baustelle hängen 5 x 5 Zentimeter grosse QR-Codes im Fenster eines jeden Zimmers. Man fragt sich, zu welchem Zweck die schwarz-weissen Quadrate angebracht wurden. Erhält man über den Code genaue Informationen über das eingebaute Fenster? Martin Peiner, BIM-Manager der Losinger Marazzi AG, die als Totalunternehmerin für den 215-Millionen-Bau verantwortlich zeichnet, erklärt: «Die QR-Codes werden mit ‹Finalcad› erstellt. So werden der Raum und seine Charakteristiken beim Einscannen der Codes automatisch erkannt. Kombiniert mit ‹Revit› lässt sich dann genau nachvollziehen, wer wann welche Arbeit in dem Raum verrichtet hat. Der Raumplan erfasst zudem alle wichtigen Informationen über Materialanlieferungen und Baufortschritt eines jeden Akteurs.» Bei einem so grossen Gebäudevolumen vereinfache die digitale Aufzeichnung die Steuerung und Dokumentation des Baufortschritts enorm.

Über die QR-Codes werden alle relevanten Informationen über den jeweiligen Raum erfasst.

Futuristische Leitungen
Auch in den Versorgungsräumen wird der Nutzen von BIM praktisch erlebbar. Die Lüftungszentrale im Untergeschoss ist die grösste in ganz Zürich. Über Erdsonden wird die Warmwasseraufbereitung gewährleistet und so queren und kreuzen sich unzählige Leitungen, Rohre und Tanks und schaffen eine futuristisch anmutende Industrieästhetik. Hält man ein Tablet vor die Versorgungsinstallationen, sind alle Leitungen farblich markiert im 3D-Modell sichtbar. «Durch die Virtual-Reality-Darstellung erhalten wir ein übersichtlicheres Bild, was für die Planung und Wartung von grossem Vorteil ist», so Peiner weiter.

«Building Information Modeling» (BIM) ist auf der Baustelle des Spital Limmattal angekommen.

Learning BIM by doing BIM
Seit 2012 experimentiert Losinger Marazzi mit der Arbeitsmethode BIM. Mittlerweile kommt sie bei ungefähr einem Drittel ihrer Projekte zum Einsatz. Dies entspricht zurzeit rund 20 Projekten. Pro Baustelle wird ein Architekt oder Ingenieur zum BIM-Koordinator ernannt, der die Daten verwaltet. Dabei wird unterschieden zwischen den 3D-Modellen und der Datenbank zur Projektsteuerung, die mit der Software «dRofus» verwaltet wird. Denn nicht jede neue Information ist für die verschiedenen Datenspeicher relevant. Die 3D-Modelle sind in erster Linie für die beteiligten Architekten und Fachplaner wichtig, um Planungsfehler frühzeitig aufzudecken (clash-detection). Dagegen dient die Datenbank vor allem dem Projektmanagement und der Dokumentation. Dabei wird die Datenbank laufend mit den 3D-Modellen abgeglichen, um Abweichungen zu vermeiden. Die digitale Arbeitsmethode funktioniere aber nur, wenn alle Mitarbeiter «im Sinne von BIM denken und handeln», erklärt Damien Chevarin-Domitner, Verantwortlicher für das BIM-Management bei Losinger Marazzi. Statt zeitintensiver Schulungen setzt der Totalunternehmer auf das Credo «Learning BIM by doing BIM».

Mehr Potential
Die Bäder in den Patientenzimmern sind vorgefertigte Elemente. Von der Stange für den Duschvorhang bis hin zu den Armaturen und dem Badezimmerspiegel ist alles vorhanden. «130 Badezimmer wurden fertig gefliest und verputzt auf die Baustelle geliefert. Wir müssen sie nur noch ans Leitungssystem anschliessen», so Peiner weiter. Bei anderen Projekten von Losinger Marazzi werde die Anlieferung der Bauprodukte bereits getrackt. Dies sei im Spital Limmattal aber noch nicht der Fall. Mit BIM wäre aber noch viel mehr möglich. Beispielsweise sucht Losinger Marazzi aktuell nach einem Weg, um die BIM-Daten in das Facility-Management-System des Auftraggebers zu implementieren, und zukünftig soll auch der «eBKP» eingepflegt werden. Doch damit ist Losinger Marazzi nicht allein. Ein BIM-Experte aus Japan erzählt, er wäre in seinem Heimatland mit denselben Herausforderungen konfrontiert.

BIM nützt allen
Offensichtlich müssen immer noch einige Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden, um den reibungslosen Einsatz von BIM zu garantieren. Und genau da setzt «buildingSMART» (siehe Infobox) an. Die internationale Non-Profit-Organisation möchte neutrale, offene BIM-Standards («openBIM») etablieren, die allen Partnern durch eine effizientere und kollaborative Arbeitsweise messbaren Nutzen bringen, von der Planung bis zur Bewirtschaftung. Dafür hat «buildingSMART» eine einheitliche Methodik zur Beschreibung von Prozessen definiert. Dank «open BIM» kann die Zusammenarbeit deutlich vereinfacht und Geld, Zeit und Aufwand eingespart werden. «Die Integration von BIM in unsere Baukultur nützt allen Beteiligten: Bauherren, Herstellern, Fachplanern und Architekten», fasst Antoine Rérolle, Leiter Engineering bei Losinger Marazzi, die Wichtigkeit der digitalen Planung zusammen.

buildingSMART

Was?
«buildingSMART» ist ein weltweiter, neutraler Verband mit Chaptern in aktuell 19 Ländern. Die Mitglieder stammen zumeist aus der Bau-, Planungs- und Softwareindustrie.

Ziel?
Etablierung internationaler offener BIM-Standards («openBIM») auf Basis eines Best-Practice Ansatzes, um Planungs- und Bauprozesse zu vereinfachen und zu optimieren.

Wie?
Methodische Beschreibung von Prozessen, standardisiertes Mapping von Begriffen, Erarbeiten von Methodik und Technologie, um Prozessanforderungen in technische Anforderungen und Computer lesbare Information zu übersetzen.

Für wen?
Architekten, Ingenieure, Baufirmen, Bauherren, Bewirtschafter, Bauprodukte-Hersteller, Software- Anbieter, Lehrkräfte, Behörden.

Kontakt?
buildingsmart.org // buildingSMART Chapter Switzerland: bauen-digital.ch
BIM

Aktuellste Artikel

25. Februar 2019 | Agenda

Ausstellung «111 Bunker» – letzte Chance

Das Zentrum Architektur Zürich (ZAZ) lädt ein, Zürich neu ke...

Ausstellung «111 Bunker» – letzte Chance

25. Februar 2019 | Szene

Kostenloses Probeabo lösen

Die kommende Ausgabe des Magazins der Schweizer Baudokumenta...

Kostenloses Probeabo lösen

21. Februar 2019 | Fachwissen

Buch: Kunsthistorische Forschung von Sigfried...

Sigfried Giedion (1888–1968) und Carola Giedion-Welcker (189...

Buch: Kunsthistorische Forschung von Sigfried...

21. Februar 2019 | Agenda

ETH Forum Wohnungsbau 2019: Land nutzen!

Internationale Jahres-Fachtagung ETH Forum Wohnungsbau 2019:...

ETH Forum Wohnungsbau 2019: Land nutzen!
Copyright © 2001-2019 Docu Media Schweiz GmbH

BIM im Neubau Spital Limmattal