Baukulturvermittlung

Baukulturvermittlung

Katharina Wyss | 22. Jan 2020 | Szene

Nicht nur MINT-Fächer, Fremdsprachen und IT-Wissen – auch baukulturelles Grundverständnis soll an Schweizer Schulen vermittelt werden. In einem Kolloquium Anfang November stellte der Verein Archijeunes mögliche zukünftige Lehrinhalte zur Diskussion.


Archijeunes Schwartz
Der Verein Archijeunes bietet Planern und Pädagogen eine gemeinsame Plattform. Foto: Eline Keller Soerensen


Letztes Jahr definierten die europäischen Kulturminister zusammen in Davos den Begriff der «Baukultur» als gebautes Erbe Europas. Ihr Wert sei «zu pflegen und zu schützen». Die Zivilgesellschaft solle sich an der Erhaltung der Baukultur beteiligen. Welche Fähigkeiten sollte ein mündiger Staatsbürger lernen, um seinen Lebensraum ausverhandeln zu können? Über zehn Experten erörterten diese Frage für den Schweizer Kontext im Kolloquium «Elemente einer baukulturellen Allgemeinbildung», organisiert vom Verein Archijeunes.


Was ist nah?
Der heutzutage in Kauf genommene Pendelweg zur Arbeit mache ungefähr eine Stunde aus, wie Verkehrsplaner Kay W. Axhausen in seinem Vortrag beschreibt. Zwischen «Orten maximaler Erreichbarkeit» sitzt ein Pendler entweder im Auto oder in der S-Bahn. Die durchquerten Landschaften werden zu Transferräumen und büssen dadurch an Erlebniswert ein.

Dies hat auch Raumplanerin Anna Brandl erkannt. Sie entschleunigt deswegen bewusst ihre Studierenden an der Hochschule Liechtenstein, indem sie mit ihnen das zersiedelte Rheintal erwandert. Die Studierenden erkennen durch die langsame Annäherung an die Landschaft alte Siedlungsstrukturen.

Der Individualverkehr schaffte in der Vergangenheit eine Voraussetzung für Zersiedelung, und damit auch halbanonymer Nachbarschaften. Räumliche Teilhabe öffentlicher Plätze muss deswegen auch neu gelernt werden: Teile der Bevölkerung von Vaduz erfuhren dies durch das „Vadozner Huus“: Die Hochschule schuf im Zentrum der Stadt diesen frei verfügbaren, öffentlichen Raum. Der gesellschaftliche Konsens über die Verwendung des Raums entwickelte sich prozesshaft einen ganzen Sommer lang in diesem temporären Projekt.


Archijeunes Publikum
Christina Haas, Mitarbeiterin beim Strategiepapier für baukulturelle Bildung (BAK) in der Diskussion nach den Vorträgen. Foto: Eline Keller Soerensen


Geschichte und Hierarchien verstehen
Die Berliner Denkmalpflegerin Gabi Dolff-Bonekämper bezieht sich in ihrem Verständnis von Kulturerbe auch auf das Menschenrecht der kulturellen Teilhabe, das allen Menschen gleichermassen zusteht. Bauwerke enthalten Spuren einer gemeinsamen Kulturgeschichte. Sie sind damit auch stille Zeitzeugen der Entwicklung eines Ortes.

Architektin Elli Moseyabi beschreibt anhand von Türen, wie unbewusst Benutzer von Architektur in ihrem Verhalten geprägt werden. Der Massstab einer Tür prägt die Hierarchien und Distanzen menschlicher Beziehungen.

Landschaftsarchitekt Christophe Girot betrachtet den scheinbar gewachsenen Naturraum der Schweiz kritisch: Was passierte mit den 30 Millionen Obstbäumen, die hier nach dem zweiten Weltkrieg verschwanden? Welche Narben hinterlassen heutzutage Steinbrüche und die Erschliessung der Landschaft zu entlegenen Regionen?

Der drohende Klimawandel beschäftigt Energietechniker und Nachhaltigkeitsforscher am Kolloquium gleichermassen. Der CO2-Fussabdruck definiert eine vergleichbare, messbare Grösse, die für Waren wie auch für Handlungen verwendet werden kann. Er kann als Masseinheit für klimafreundliches Bauen der Zukunft verwendet werden.

Die Schweiz als Land der direkten Demokratie gibt ihren Stimmbürgern die Möglichkeit, durch Abstimmungen über Raumordnungen und Bauprojekte zu bestimmen. Es ist an der Zeit, Baukultur als gemeinsamen Wert in der Schulbildung zu verankern.



Alle Beiträge des Kolloquiums vom 8. November 2019 wurden auf Video aufgenommen. Die Videos sind hier aufrufbar.

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