Basisinformationen über dämmschichtbildende Brandschutzsysteme

Basisinformationen über dämmschichtbildende Brandschutzsysteme

8. Oktober 2018 | Fachwissen

Allgemeine Erklärung
Dämmschichtbildende (intumeszierende) Brandschutzsysteme sind flüssige Brandschutzanstriche, die auf Stahlprofile appliziert werden und zusammen mit dem gegen Feuer zu schützenden Stahlbauteil den geforderten Feuerwiderstand R 30 oder R 60 gewährleisten. Somit verlängert sich die Dauer, in der ein Stahlbauteil feuerresistent ist.

Wirkungsweise
Die Beschichtungen von 0,3 bis 3,5 mm Dicke schäumen bei Hitzeeinwirkung (ab 120–200 °C) auf und bilden einen stabilen, kompakten, feinporigen und gut isolierenden Schaum. Dieser Schaum erreicht die 40- bis 50-fache Dicke der Ausgangsschicht. Der Schaum bewirkt, dass der Stahl bei Feuereinwirkung die für den Verlust der Tragfestigkeit massgebende Temperatur (500–800 °C) erst mit Verzögerung erreicht – nach 30 Minuten bei R 30 bzw. nach 60 Minuten bei R 60.

Dämmschichtbildner-Zusammensetzung
• Lösemittel bzw. Wasser (lösemittelhaltige bzw. wässrige Dispersionen)
• Bindemittel
• Pigmente und Füllstoffe

Beschichtungsaufbau
Dreischichtige dämmschichtbildende Brandschutzsysteme bestehen aus den drei Schichten:
a Systemgeprüfte Grundbeschichtung als Korrosionsschutz;
b Dämmschichtbildender (intumeszierender) Brandschutzanstrich;
c Systemgeprüfte, farblich frei wählbare Deckbeschichtung

Bei zweischichtigen dämmschichtbildenden Brandschutzsystemen ist das Aufbringen einer Deckbeschichtung nicht zulässig.

Verfahren
1. Die Anwendung dämmschichtbildender Brandschutzanstriche erfordert eine objektbezogene
    Bewilligung der zuständigen Brandschutzbehörde.
2. Gesuche sind mittels Formular des Stahlbau Zentrums Schweiz (SZS) «Gesuch für die Anwendung
    von dämmschichtbildenden Anstrichen auf Stahlbauteilen» einzureichen (www.szs.ch).
3. Es dürfen nur von der VKF zugelassene Systeme verwendet werden. Diese, sowie die erforderlichen
    Schichtdicken, sind im Schweizerischen Brandschutzregister publiziert (www.bsronline.ch).

Anwendungsbeschränkungen
Exponierte, mit dämmschichtbildenden Brandschutzsystemen geschützte Stahlbauteile sind gegen mechanische Beschädigung dauerhaft zu schützen. Der mechanische Schutz sowie anschliessende Bauteile müssen genügend Abstand zur Stahlkonstruktion aufweisen, damit der Brandschutzanstrich ungehindert aufquellen kann. In Wohnbauten sind unter Umständen zusätzliche feuerpolizeiliche Massnahmen zu ergreifen.

Feuerwiderstandsnachweis
Die Brandschutzbehörde kann einen Nachweis des Feuerwiderstands verlangen.

Applikation – Vorabklärungen
• Neue oder bestehende Konstruktion? (Altanstrich vor Ort durch den Systemlieferanten prüfen lassen)
• Eignet sich das Objekt für dämmschichtbildende Brandschutzsysteme?
• Welche Bauteile müssen geschützt werden?
• Feuerwiderstand: R 30 oder R 60 erforderlich?
• Innen- oder Aussenanwendung?
• Detaillierte Angaben in Bezug auf Anschlüsse, Übergänge, Distanzmontagen usw.
• Farbtonwünsche?
• Vorhandene Stahlprofiltypen? (z. B. IPE, HEA, HEB, ROR, RRW – mit Profilfaktoren U/A)

Applikation – Randbedingungen
• Grundbeschichtung trocken, sauber, gut haftend und wärmebeständig (Gitterschnittprüfung,
   Flammprobe)
• Klimabedingungen: Mindest- und Maximal-Temperatur, Taupunktabstand. Die Einhaltung des
   Taupunktabstands durch den Verarbeiter ist eine Grundvoraussetzung für die Qualität der
   Beschichtung, insbesondere die Haftung auf dem Untergrund, denn auf dem Untergrund darf
   sich kein Kondenswasser bilden. Wird der Taupunktabstand von mind. 3 °C unterschritten, so
   müssen die Beschichtungsarbeiten eingestellt werden – was das Bauprogram empfindlich
   beeinflussen kann.

Applikation – Ausführung
Im Werk (vor Montage):
• Oberflächenvorbereitung durch Strahlen Sa 2½ gemäss ISO 8501-1
• Systemverträgliche Grundbeschichtung applizieren

Auf Baustelle (nach Montage):
• Montagebeschädigungen der Grundbeschichtung reparieren
• Dämmschichtbildenden Anstrich aufspritzen eventuell rollen
• Aufbringen der Deckbeschichtung nach Messung der Trockenschichtdicken Je nach Produkt ist bei
   kleinen Schichtdicken, vor allem für R 30, auch eine Werksbeschichtung möglich.

Qualitätssicherung
Eine Dokumentation über die Qualitätssicherung ist zwingend und umfasst folgende Unterlagen:
• Schriftliche Bewilligung von der kantonalen Brandschutzbehörde
• Bauteilverzeichnis
• Tabelle mit Klimadaten
• Messprotokolle der Schichtdicken
• Anweisungen für den Unterhalt

Auszug aus einem Artikel über Brandschutzsysteme der Schweizer Baudokumentation.


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