Architektur After Work

Architektur After Work

Katharina Weber | 17. April 2019 | Szene

Bei der Eventreihe «Architektur After Work» Mitte April in Zürich präsentierten Theaterintendant Giovanni Netzer und Benjamin Dillenburger, Assistenzprofessor für digitale Bautechnologien, ihre Arbeiten sowie ihr erstes gemeinsames Projekt: Säulen fürs Theater.

   
«Der reguläre Theaterbau leidet unter Fantasielosigkeit», so eröffnet Giovanni Netzer, Leiter des Bündner Theaters Origen Festival Cultural, den Event «Architektur After Work» in der Giesserei in Zürich. In den letzten Hundert Jahren habe sich das Schauspiel erheblich verändert, doch trage der Theaterbau dem keine Rechnung. Zeitgenössische Aufführungen bräuchten eine andere bauliche Struktur als die gewöhnliche Guckkastenbühne.

Spektakuläre Spielorte
In seiner Heimat, dem «armen» Nordbünden, macht Giovanni Netzer aus der Not eine Tugend. Mangels bestehender kultureller Einrichtungen sucht Netzer nach aussergewöhnlichen Spielstätten und findet in der Gegend um Riom und Mulegns zahlreiche spektakuläre, atmosphärisch dichte Orte. Neben dem Julierpass, auf dem Netzer einen markanten roten Holzturm als temporären Theaterbau platzierte, und der Burg Riom, die in den Sommermonaten Tanz- und Musiktheater beherbergt, bittet Netzer seine Gäste zum Konzert in einen 300 Meter unter der Erde gelegenen Druckstollen oder in eine leerstehende Villa, die vor Hundert Jahren ein erfolgreicher Geschäftsmann errichten liess. Netzer stattete diese Villa mit opulenten Blumentapeten im verträumten Zuckerbäckerstil aus und erweckt das Haus mit Lesungen und Konzerten zu neuem Leben.

«Wenn Architekten eine Bühne definieren, beeinflussen sie damit das Geschehen auf der Bühne enorm.»

Giovanni Netzer


Beim Umbau dieser Spielstätten verzichtet der Theaterintendant bewusst auf die weitverbreitete Blackbox, sondern stellt stattdessen die Eigentümlichkeiten des Ortes in den Vordergrund, indem er Elemente des bestehenden Baus und der umgebenen Landschaft in das Bühnengeschehen integriert: «Die natürliche Nebelwand, die hinter den Darstellern über einen Felskamm hinaufweht, hinterlässt deutlich mehr Eindruck bei den Zuschauern als das läppische Pfft-pfft! der Nebelmaschine in einer herkömmlichen Guckkastenbühne.»

Säulen aus dem 3D-Drucker
Aktuell entsteht für das Origen Festival in diesem Sommer ein neuer Spielort, an dem Säulen eine tragende Rolle spielen werden. Diese werden von ETH-Studenten unter der Leitung von Benjamin Dillenburger, Assistenzprofessor für digitale Bautechnologien an der ETH Zürich, digital entworfen und mithilfe eines 3D-Druckers erstellt. Dillenburger hat eine Methode entwickelt, mit der sich zeit- und kostensparend komplexe Formen aus künstlichem Sandstein drucken lassen.

Eins seiner bekanntesten Werke, «Digital Grotesque», wird derzeit im Pariser Centre Pompidou ausgestellt und besteht aus einer begehbaren, aus gedruckten Sandsteinblöcken zusammengesetzten Grotte. Das auf den ersten Blick amorph anmutende Gebilde offenbart bei näherem Hinsehen eine ganze Welt eklektizistischer Formen – florale Rokoko-Blüten stehen in Kontrast zu strengen, gotischen Rippen und schlichten, futuristisch wirkenden Bereichen. Das Auge kann sich gar nicht sattsehen an dieser faszinierenden Formenvielfalt.

Im Sommer werden die von den Studenten gedruckten Säulen mit den Darstellern des Origen Festivals um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen. Man mag auf das Bühnengeschehen gespannt sein.



Der zauberhafte Abend wurde ermöglicht dank der grosszügigen Sponsoren

  • Drawag AG
  • Forbo-Giubiasco SA
  • Ganz Baukeramik AG
  • Garaventa Liftech AG
  • Hörmann Schweiz AG
  • Reynaers AG


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