Arc-Award BIM Gewinner: Schweizer Pavillon Expo 2020 Dubai

Arc-Award BIM Gewinner: Schweizer Pavillon Expo 2020 Dubai

Birgitta Schock | 18. Januar 2019 | Digitalisierung

Für vorbildliche Zusammenarbeit gewinnt der Schweizer Pavillon, der auf der Expo 2020 in Dubai stehen wird, den Arc-Award BIM in der Kategorie Kollaboration. Die Jury überzeugte der professionelle Einbezug aller Beteiligten, der selbst BIM-Laien eine effiziente und kollaborative Zusammenarbeit erlaubt. Komplexe Fragestellungen können von allen verstanden und beantwortet werden.

Architektur- und Tragwerksmodell des Schweizer Pavillons 2020 in Dubai, Bild: OOS AG


Für die Weltausstellung Expo 2020 in Dubai entwarf das Büro OOS den Schweizer Pavillon. Die Aufgaben zur Projektierung und Planung des temporären Pavillons beinhalten architektonische, innenarchitektonische, szenografische und landschaftsarchitektonische Aspekte gleichermassen. Das Planerteam ist dementsprechend divers. Das Investitionsbudget für den Pavillon ist fixiert, darum galt von Anfang an «Design2Cost». Durch Sponsorenbeiträge kann sich aber das Budget verändern. Das führt dazu, dass Material- und Kostenvarianten bis Ende Ausschreibungsplanung in der Planung abgebildet sein müssen. Dadurch hat das Projekt, trotz seiner überschaubaren Grösse, eine Komplexität, welche durch die GU- / TU-Ausschreibung und die angestrebte Vorfabrikation zusätzlich erhöht wird. Dazu kommt die Auflage der Expo, drei Viertel des verbauten Gewichtes zu recyceln.

BIM-Modellplan
Das Projekt folgt einer Open-BIM-Strategie. Alle arbeiten mit ihren eigenen Tools. Ausnahmen sind die Raumdatenbank und das «BIMCollab/Zoom», die zwingend zu nutzen sind. Das Architekturmodell ist das Referenzmodell. Vorfabrizierte Bauteile werden aus dem Tragwerks- ins Architekturmodell nativ eingesetzt, um deren Eigenschaften in die Datenbank zu übertragen. Die Architektur- und TGA-Modelle werden nativ synchronisiert.

BIM-Rollen
Neben dem Entwurf übernimmt OOS in der Funktion des Generalplaners die übergeordneten Rollen der verantwortlichen BIM-Managerin, der BIM-Koordinatorin und der ICT-Koordinatorin. Sie unterstützt den Projektmanager dadurch in strategischen und operativen Fragen.

Für die BIM-TGA-Fachkoordination und die BIM-Kostenkoordination sind weitere Teampartner zuständig. Sie führen die Modelle aller Disziplinen und überprüfen diese hinsichtlich Vollständigkeit und Qualität. Auf Stufe der beteiligten Unternehmen hat jeder Planer einen BIM-Projektverantwortlichen, und wenn ein Unternehmen ein digitales Modell erstellt, auch einen BIM-Modellierer.

BIM-Kommunikation und -Kollaboration
Für das Projekt wurden verschiedene Prozesse miteinander entwickelt, getestet und festgelegt. Die Spielregeln für die Zusammenarbeit und die Definition, wo welche Information und welches Dokument zu finden sind, prägen die Kollaboration. Es wird nur noch modell- und datenbankbezogen koordiniert. Für die Kommunikation und den Viewer-Zugriff stehen geeignete Datenplattformen zur Verfügung. Diese dienen auch für die Kommunikation mit potentiellen Sponsoren.

Ziel ist, das komplette Projektteam, die Bauherrschaft und die Sponsoren in den BIM-Prozess zu integrieren. Dazu gehört, die BIM-Laien an die Arbeitsweise heranzuführen und einen stabilen Prozess zu gewährleisten. Dafür wurden zum Start des Projekts miteinander entwickelte und getestete Prozesse sowie Inhalts- und Qualitätsanforderungen definiert. Spezifisch für Innenarchitektur und Szenographie wurde definiert, was im Modell und was in der Datenbank abgebildet wird. Es wurde auch festgelegt, wann welcher Entwicklungsstand erreicht, welche Outputs für Dritte erforderlich sind und welche Form diese haben müssen. Diese Anforderungen sind im BIM-Projektabwicklungsplan, im IDM und im Prozessplan festgehalten.

Die Vorgaben der Expo-Organisatoren für die verschiedenen Projektstadien sind sehr umfangreich. Damit keine Anforderung vergessen geht, wurden alle Resultate und deren Inhalte vorgängig definiert. Dafür wurden Konventionen zu grafischen Aspekten und der Benennung von Dokumenten entwickelt und die Outputs (Berichte und Listen) stakeholdergerecht vordefiniert. Die TU-Ausschreibung soll komplett über das digitale Bauwerksmodell erstellt werden. Zudem sollen Designvarianten aufgrund offener Sponsorenbeiträge (if-when-then) in den Kosten abbildbar sein.

Tragwerks- und Haustechnikmodell des Schweizer Pavillons 2020 in Dubai, Bild: OOS AG


Würdigung
Die konsolidierte Zusammenarbeit mit digitalen Bauwerksmodellen und Raumdatenbank stellt sicher, dass auf gleicher Basis gearbeitet wird und klar ist, wo die Informationen zu Elementen und Bauteilen zu finden sind. Projektstand und Planungskonflikte werden sichtbar, und die für alle einsehbare Sammlung von Aufgaben, Pendenzen und Entscheiden in der Datenbank stellt deren Nachverfolgung sicher.

Das Projekt von OOS überzeugte die Jury durch die konsequent definierte Rollenzuteilung und den professionellen Einbezug aller Beteiligten in die Kommunikation. Dies erlaubt selbst BIM-Laien eine effiziente und kollaborative Zusammenarbeit und erleichtert, komplexe Fragestellung zu verstehen und zu beantworten.

Der Einbezug von Sponsoren, das Nutzen von Informationen und Daten für mannigfache Anwendungen wie Vorfabrikation, architektonische, innenarchitektonische, szenografische und landschaftsarchitektonische Aspekte und die Auflage, drei Viertel des verbauten Gewichtes zu recyceln, zeigen einige der Herausforderungen, welche an dieses Projekt und das Team gestellt werden. Die model- und datenbasierte Zusammenarbeit erlaubt allen Beteiligten, qualifizierte Entscheide zu treffen und die gesetzten Meilensteine rechtzeitig zu erreichen. Das Projekt zeigt auf überzeugende Weise, wie mit digitalen Datenmodellen und Datenbanken die Zusammenarbeit gefördert und gute Architektur unterstützt wird.

Bezugsfertigstellung Okt. 2020
Anzahl Arbeitsplätze 60
Stockwerke 4
Geschossfläche 3173 m2
Nutzfläche 2343 m2
Gebäudevolumen 21 433 m3
Baukosten BKP 2 CHF 8.5 Mio.
Spezialist Digitalbau GmbH
Bauherrschaft Eidgenössiches Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA)
Architektur OOS AG

Die Kategorie Arc-Award BIM 2018 Kollaboration wird gesponsert durch die Implenia Schweiz AG.


Weitere Unterlagen zum Projekt sind hier einsehbar.

Der Artikel ist erstmalig in der Publikation «BIM Roadmap - 3. Schweizer BIM Kongress» von Bauen digital Schweiz erschienen.

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